Transitetappen Richtung Norden

Hoi An -Ninh Binh

Tag 483 – 496 (28.06.2020 – 11.07.2020)

Kilometer 16’011 – 16’924

In der Morgendämmerung geht der ältere Vietnamese, welcher was von sich hält, raus an öffentliche Plätze um Sport zu machen. Dies gilt natürlich auch für die Damen. Nur ist die Aussage Sport sicherlich bei jedem etwas anderes. In diesem Falle wird die Grenze von ruckartig Beine und Arme Bewegen selten gesprengt. Auch beliebt ist das Power Walking. Oder eine Mischung zwischen Dehnen und möglichst eleganten Bewegungen des ganzen Körpers. Bei letzterem fehlt mir das Wissen um zu beurteilen, ob dies nun Sinnvoll ist. Gerne das Ganze auch in großen gleich gekleideten Gruppen. Dazu wird aus fix installierten Lautsprecher interessante Musik abgespielt. Diese soll wohl den Geist anregen. Na ja egal, jedenfalls ist dieses Ereignis etwas sehr Skurriles und hat mir die Morgenstunde versüßt. Auch gab es dutzende Radfahrer welcher auf der furz geraden Strecke am Strand ihre Runden drehten. Konnte sogar einem Helfen welcher eine Platte hatte.

Sobald ich aber in die Steigung des Hai Van Pass fuhr, sah ich gerade mal noch 5 Fahrer. Hochfahren ist ja auch anstrengend.

Da ich nun einige Tage der Küste folgen werde, musste ja auch einmal eine Strandnacht in meiner Reise enthalten sein. Obwohl ich Sand beim Campen grundsätzlich vermeiden will, denn dieser kommt einfach überall hinein, welches ich schon mehrere Male in Zentralasien feststellen musste, würde ich die Idee sogar umsetzten. Glücklicherweise fand ich sogar einen Platz wo ich den nervigen Körnern ausweichen konnte.

Habe ich schon erzählt, dass es heiß ist? Durch den Tag ist es ja noch so einigermaßen erträglich. Aber am Abend die Optionen zu haben von Mücken zerstochen zu werden, oder schwitzen im Zelt zu liegen ist wirklich nicht angenehm. Und diese Strandnacht war besonders unangenehm. Alles voller Schweiß, so ein Scheiß. 😉 Nein aber wirklich. Ich brauche mindestens etwas am Tag, was mir Freude macht. Und meistens ist dies der Abend oder sonst der warme Schlafsack in einer kalten Nacht. Wenn dies nun aber wegfällt, fehlt mir der Sinn am Reisen. Und es würde für die nächsten Wochen auch nicht besser werden. Denn die Strecke ist flach, ohne Berge. So entschloss ich von nun an in Hotels zu übernachten. Obwohl mir das tägliche Geldausgeben für einen Schlafplatz nicht ganz zufrieden stellt, gibt es im Moment keine andere brauchbare Lösung, wo meine Moral nicht flöten geht. Auch würde ich nun noch mehr fahren, denn die Zeit für Zeltauf- und Abbau sollte ja in Distanz investiert werden.

Mit meinem Stativ kann ich jetzt auch mein Innenzelt ohne Aussenzelt aufbauen, dies hilft ein Bisschen, aber auch nicht genug.

In 9 Hauptetappen habe ich im Durchschnitt 95 Kilometer zurückgelegt. Das liegt 30 Kilometer über meinem Reisedurchschnitt und hebt diesen von 64 auf ganze 65.3! Hat sich ja richtig gelohnt. 70% der Strecke mache ich von 5 bis 12 Uhr, danach bricht die Leistung meistens stark ein, das es sich im Verhältnis nicht mehr wirklich lohnt noch groß zu Fahren, so suche ich mir meistens gegen frühen Nachmittag eine Bleibe, welche ich dann zwischen 14:00 und 16:00 finde. Gibt nicht so viele Hotels in Zentral Vietnam. Ich bin äußert mit meiner Leistung zu frieden. An Ruhetagen frage ich mich manchmal selbst, wie ich das überhaupt aushalte, wenn mich die Hitze mal wieder richtig wegputzt.

Überall gibt es diese Gräber.
Meine Füsse leiden auch in den letzen Tagen.
Gab kein anderen Schlafplatz und es war auch schon Dunkel. Ist aber auch Nichts auf der Strasse gefahren.

So quäle ich mich den Vietnam hoch bis nach Phong Nha. Die Region ist für ihre vielen Höhlen Welt bekannt. Dort befindet sich auch zu diesem Zeitpunkt größte Höhle der Welt. Welche so groß ist, dass sie ein eigenes Klima besitzt. (Zu diesem Zeitpunkt, weil kann ja sein das noch größere gefunden werden.) Für den Schutz dürfen nur gerade 1000 Touristen in die Höhle rein pro Jahr und die 4 Tägige Tour kostet auch 3000 Dollar. Also nicht gerade in meinem Budget. Phong Nah ist eigentlich kein Dorf, sondern eher ein großes Hotel. Hunderte Homestays und Hotel drängeln sich entlang der Straßen. Dazwischen noch irgendwelche hippen Restaurants. Alles auf Touristen ausgelegt. Nur gibt es die nicht mehr. Das Dorf ist leer. Insgesamt habe ich etwa 6 Westliche-Touristen gesehen. Und diese können die Massen an Unterkünfte nicht füllen. Irgendwie ein komisches Gefühl in einer Geisterstadt zu sein. Ist wohl aber auch nicht besser, wenn die Hotel rappelvoll sind.

Gerade durch Phong Nha fahrend, sichte ich ein Rad welches verdächtig nach Touring aussah. Angehalten und die Dame vom Hotel gefragt ob der Besitzer denn da sei, danach wurde ich in den zweiten Stock geführt, wo ich auf Brent, einen Amerikaner traf. Den nächsten Tag verbrachten wir zusammen, viel darüber sprechend wie elend denn unsere Situation sei, so konnten wir uns beide unterstützen. Denn zumindest waren wir nicht alleine in unserem Leid. Ich würde aber, obwohl wir in die gleiche Ri

Düüüüüüüüüt

Wir unterbrechen die Berichterstattung für eine Sondermeldung: In der Nacht vom 06.07.2020 wurde ein brutales Verbrechen begangen. Unbekannte Personen des Dorfes Phong Nha machten sich an Micha Richards Fahrrad ran und nahmen eine Geisel. Das Legobürokrokodil! Die Kroknapper gingen Skrupellos vor, sie brachen die Kopfplatte ab, um es vom Kabelbinder zu entfernen. Wieso die Tat begannen wurde, ist nicht zur Gänze klar. Eventuell lag es daran das ich die nervigen Kinder, welche mich nicht meine Wartungsarbeiten machen ließen, mehrere Male weggeschickt habe. Denn ich habe nicht gern, wenn alles begrabscht wird, sagt Herr Richard gegenüber uns aus. Jedenfalls ist klar, das Krokodil ist weg. Hinweise zur Rettung des kleinen grünen Freundes bitte direkt an uns. Bis jetzt hat sich aber noch niemand zur Tat bekannt. Selbst die Kontaktaufnahme mit den Eltern der Kinder brachte keine weiteren Erkenntnisse. Auf die Frage was Herr Richard nun machen würde antwortete er wie folgt: Mir ist das Krokodil über die letzten Monate ans Herz gewachsen, ohne Es weiterzufahren ist keine Option. So würde ich ein neues bestellen müssen. Dies wäre dann der Bruder.

Düüüüüüüüüüt

Sorry wo bin ich stehen geblieben? Ah genau. Obwohl wir in die gleiche Richtung fahren würden, zog ich wieder alleine los. Denn ich hatte eine deutlich schnellere Reisegeschwindigkeit und auf jemand zu warten hatte ich keine Lust. Speziell in dieser Hitze. Wir sehen uns wahrscheinlich wieder, denn aus dem Vietnam kommen wir nicht raus und der Norden ist ja nicht allzu groß. Oder zumindest gibt es nur einige Routen, mit mehreren fixen Orten.

Wieder einmal in einem Hotel abgestiegen, komme ich ins Gespräch mit dem Besitzer und es stellte sich heraus das er eine Werkstatt betreibt, wo er alte Fahrräder aufbereitet und diese dann weiter gibt an arme Regionen im Land. Er bekommt auch von überall im Lande große Lieferungen welche ihn Unterstützen. So viel ich verstanden habe ist dies einen Non-Profit Organisation. Coole Sache, habe auch ein bisschen mitgeholfen Schrauben zu sortieren. Natürlich wurde mein Einsatz auf Facebook verewigt.

Facebook

So bin ich also jeden Tag unterwegs, schwitze mir einen ab und trinke heißes Wasser und komme zwar gut voran aber trotzdem nerven mich noch ein paar Sachen. Das unnötige Hupen der größeren Verkehrsteilnehmer lassen wir mal links liegen und kümmern uns um den Abstand. Denn wenn zwei Autos, Lastwagen und Auto oder zwei Lastwagen auf meiner Höhe kreuzen bleibt meistens nur noch einige Zentimeter Platz zwischen mir und dem näheren Fahrzeug. Meisten wollen die dann eigentlich noch das ich zusätzlich Platz machen. Aber auch solo Autos lassen nicht genug Platz frei. Was gibt es da für Lösungen? Luftballone mit Farbe oder Mehl? Wo ich dann auf die Fahrzeuge werfen könnte. Das wäre doch lustig, aber auch nicht wirklich umsetzbar. So viele Ballone und dazu müsste ich ja noch abschätzen, ob jetzt dieses Fahrzeug zu nahe kommt. Auch ist dies ja nur eine Methode um meinem Frust ein Ventil zu verschaffen und somit nicht optimal. Da im Idealfall der Frust gar nicht zustande kommt. Ich müsste also es irgendwie hinbekommen die Leute mehr ausweichen zu lassen, ohne mein Zutun. Breiter sein, aber wie? Was wäre denn damit wenn ich mir einen 2 Meter Ast hinten aufs Gepäck spanne? So müssten sie ja immer ausweichen. Gedacht getan.

Es ist wunderbar! Das Gute an Asien ist, dass die Leute akzeptieren. Wenn zum Beispiel ein Auto in der Mitte der Straße parkt, dann ist das nun so und irgendwie kommt man ja schon rum. Das Gleiche ist mit mir. Wenn der Typ einen 2 Meter Baum auf seinem Velo transportiert, dann ist das halt so. Und wenn jetzt ein Lastwagen entgegenkommt, dann muss ich halt warten, denn da ist ja kein Platz, ist ja auch kein Ding. (Meine Vermutung wie ein asiatisches Gehirn funktioniert.) Auch glaube ich es wird weniger gehupt, denn Dominanz zu zeigen, lässt die Möglichkeit ja gar nicht mehr offen, Platz zu machen. Dies Funktioniert gut auf ausserörtlichen Hauptstraßen, aber nicht in der Stadt oder auf dicht befahrenen Hauptstraßen. (Dort gibt es aber auch meisten einen Pannenstreifen, welcher das Problem beseitigt.)

Durch Zufall, habe ich auf der Hotelsuche im Nächsten Ort ein 5 Stern Hotel gefunden, welches für 40 Dollar seine billigsten Zimmer anpries. Inklusive Frühstück, welches im Internet sehr gelobt wurde. Und seitdem ich dies gesehen habe, juckte es mich unter der Haut, mal eine Nacht sich zu gönnen, schließlich gönnt man sich ja nicht immer. Schnell gebucht und motiviert weitergefahren, denn wenn ich früher ankommen würde, könnte ich ja auch länger das Programm genießen. Vor dem Hochhaus vorgefahren, wurde mir erst klar auf was ich mich genau hier eingelassen habe. Mit 34 Stockwerken war das Hotel, das höchste Gebäude in der Stadt. Auch glänzte es in voller Pracht. Und da war ich dann: Dreckig, verschwitzt, stickend und zerzaust nach meiner 90 Kilometer Etappe. So kann ich mich doch nicht hier blicken lassen. Werde ich überhaupt hereingelassen? Ich könnte ja zuerst in ein anderes Hostel einchecken, um mich frisch zu machen? 🙂 Das wäre wohl bisschen übertrieben. Shirt gewechselt und Haare zusammengebunden, das müsste reichen. Und tatsächlich wurde ich freundlich empfangen. Da ich noch bisschen warten musste, bis mein Zimmer bereit war, ich war auch zwei Stunden zu früh dagewesen, wurde mir ein Platz in der Lobby angeboten. Wo ich über Teppich lief, dies tat sogar mir im Herzen weh, im Bewusstsein in was für einem Zustand meine Schuhe normalerweise sind. Nach kurzer Zeit wurde ich auf mein Zimmer geführt. 24 Stock, ein Eckzimmer mit Blick auf die Stadt darunter. Richtig schön. Natürlich hatte ich auch mein Baum dabei, welcher sich auch wohl fand. So verbrachte ich den Nachmittag damit Kaffee und Tee zu schlürfen, und bisschen zu Snacken. Groß auf Gespräche hatte ich keine Lust, so blieb ich bis auf einen kleinen Einkauf in meinem angenehmen Zimmer. Obwohl es natürlich sehr style gehabt hätte, blieb die Badewanne mit Stadtblick unbenutzt. Eigentlich schade.

Bild durch Fenster von meinem Bad.

Es gab sogar eine Wage. Seit Start habe ich etwa 8 Kilo abgenommen, je nachdem wie viel Essen in meinem Bauch ist.

Das Frühstück war wirklich gut. Käse, Eier, Speck, Brot, Nüsse, Salat und noch vieles mehr. Eigentlich Schade nur einmal dort gewesen zu sein. Ich füllte aber noch eine Box für unterwegs. Hier im Vietnam ist auch das Frühstück meistens Nudel oder Reislastig, so war dies eine willkommene Abwechslung.

Dann war die Zeit auch schon wieder vorbei und ich ließ von der Rezeption den Träger rufen, welcher mein Gepäck nach unten fahren sollte. Nachdem mein Zimmer leer war und ich mich versichert hatte, dass nur noch mein Baum da war, machen wir uns zusammen nach unten in die Lobby. Da ergab sich dann auch noch eine lustige Situation. Ich war wieder gekleidet in meiner Fahrmontur, dreckiges weißes Leinenhemd und kurze Hose mit Sandalen, bewaffnet mit meinem Baum. Um die Ecke laufend, erblicke ich vier in feine Anzüge gekleidete Herren. Sie schauen mich an, versuchend die Überraschung meines Auftauchens ihnen nicht zu fest anmerken zu lassen. Ich schmunzle sie an, sie schmunzeln zurück.

Etwa so sah ich aus, halt nur in einer 5 Sterne Lobby 🙂

Nach Ninh Binh gab es dann nur einen Weg. Auf die A1 die Hauptstraße von Saigon nach Hanoi. Tausende Lastwagen und Busse fahren diese Strecke jeden Tag, schrecklich der Lärm. Ich weiß ja nicht wie Leute direkt an dieser Straße leben können. Es gab aber guten Wind. 60 Kilometer in genau drei Stunden und schon war der Tag, was Fahren anbelangte zu Ende. Hier würde ich nun ein paar Nächte bleiben. Putzen, Waschen und ein paar Anpassungen stehen auf dem Programm. So wie eigentlich jedes Mal, wenn ich irgendwo länger bleibe.

Bis zum nächsten Mal.

Geschützte Schokolade.
Roger Federer macht schon Werbung für alles.

6 Kommentare zu „Transitetappen Richtung Norden

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  1. Nice trip Micha, Even when it’s very warm and your only tourfriends are the Mosqietos 😲😄 Geito still has the bycicle microbe in him ,and gone make an bycicle trip somewhere in France with his partner during their vacation. Little bit too far to cross each other again😉😏

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  2. Hey Micha
    Deine Fotos werden immer besser, da macht es richtig Spass dein Abenteuer so begleiten zu können.
    Ich meinerseits bin nun seit einem halben Jahr in Sydney.
    Für mehr Informationen darfst du gerne meine Webseite nicolaigrimm.ch besuchen 😉

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    1. Hoii nicolai, dankeschön. Ja ha scho gseh das de e blog hesch. Z letsche mal woni druf gluegt ha bisch no im flüger gsi, das isch wohl es wili här 🙂

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