Wie soll es weiter gehen?

Ninh Binh – Cat Ba – Hanoi

Tag 496 – 526 (11.07.2020 – 10.08.2020)

Kilometer 16’924 – 17’526

In Ninh Binh habe ich dann auch wieder Brent getroffen und wie es der Zufall so wollte, würde sich auch noch Leandro ein Italiener sich zu unserer Gruppe anschliessen. Die Ausgangslage war für uns alle ähnlich, denn unsere Visas würden Mitte August auslaufen und wir wollten hoch in den Norden. Leider sind die Visabedingungen im Vietnam in diesen Tagen äusserst schlecht. Da ist immer noch der x Fache zu teure Preis und die nicht entgegenkommenden Visaangebote.

Kleine Bootstour in Ninh Binh.

Da gibt es das 1 Monats Visa, welches 5-7 Tage braucht um ausgestellt zu werden und an das Enddatum dazugerechnet wird. Deswegen Mühsam, da man ja nicht jeden Monat eine Woche in Hanoi rumhängen will. Und ohne Pass zu reisen und z.B. das Visa immer in der Agentur zu lassen würde schon gehen, aber macht es sicherlich nicht einfacher. (Hotel oder irgendwelche Strassenkontrollen.)

Weiter gibt es das 3 Monate Visa, welches aber vom Datum des Eingangs gestempelt wird, dass heisst man bezahlt gerne mal 20 Tage doppelt wenn man es am Anfang des auslaufenden Monats verlängern will. Das es anders geht wird aber auch beim 1 Monats Visa bewiesen. Die 10 Werkstage sind zwar auch nervend, aber immerhin hat man danach seine Ruhe.

Warum dies solange geht weiss ich auch nicht, schlussendlich hat man einen kleinen Stempel im Pass, mit einem Handgeschriebenen Datum. Diesen rein zu Drücken dauert ein paar Sekunden. Dazu kommt noch das diese Situationen, immer ändern können. Auch will der Vietnam eigentlich das 3 Monats Visa, wegen zu vielen schwarzarbeitenden Touristen, abschaffen. Aber ob das wie angekündigt mal im Herbst passieren sollte, weiss auch niemand.

Nun zeigt sich der Vietnam nun doch noch von seiner grosszügigen Seite. Und schenkt Touristen eine Visa Verlängerung bis Ende August. Aber nur dann, wenn man beweisen kann, dass man versucht hatte das Land zu verlassen und dies nicht gelungen ist. Dankeschön, das trifft ja wohl vielleicht noch auf 1% der zurückgebliebenen Touristen zu. Auch frage ich mich, wie man dies Genau beweisen sollte. Eventuell würde diese freie Visazeit sogar bis Ende September verlängert werden, dass wird dann Wohl am 31. August entschieden.

So bleibt wohl nur die Möglichkeit abzuwarten und ein drei Monats Visa vor dem Ablauf des Eigenen zu beantragen.

Aber schon während ich diesen Beitrag schreibe kommt mir eine andere Idee. Ein Blick auf mein Bankkonto liess mich feststellen, dass meine Reiseart wohl nicht mehr all zu lange aufgehen würde. Denn es befinden sich noch 4000 Dollar in meinem besitzt, was zwar schon noch für ein Halbes Jahr reichen würde, aber mich welcher Vision? Das sich die Situation gerade in Indien und co. zur Normalität verbessern würde ist eher unwahrscheinlich. Und ich müsste wohl noch bis ende Jahr im Vietnam bleiben. Also eine Menge rumsitzen.

Arbeiten könnte eine Lösung sein. Aber als was? Der beliebteste Beruf als Ausländer ist Englischlehrer. Da bekommt man sicherlich auch eine Stelle irgendwo, egal ob man eine Ausbildung hat, oder genug gut Englisch spricht. Wirklich Lust dazu habe ich nicht, denn obwohl ich flüssig Englisch sprechen kann, finde ich trotzdem nicht das ich meinen Anforderungen gerecht werden könnte, gerade was zum Beispiel Grammatik anbelangt. Und dann wird es ganz schnell ganz schwierig. Einen Job als Bauzeichner zu finden ist wohl eher auch unwahrscheinlich.

Auch will ich gar nicht meine Reise so lange wie möglich fortsetzen. Ich habe immer gesagt wenn ich es fühle, dass ich Zuhause meine Zeit besser investieren könnte, als unterwegs zu sein ist es der richtige Zeitpunkt die Reise zu beenden. Ist aber schon ein komisches Gefühl, darüber nachzudenken, in einen Flieger zu steigen und zurück zu kommen. Das zurückkommen ist ja im Moment auch so ne Sache, wahrscheinlich könnte ich in die Türkei fliegen und von dort zurück in die Schweiz fahren. Aber darüber muss ich mich dann zuerst noch informieren.
Was würde ich denn zu Hause machen? Es gibt noch ein Ziviles Jahr abzuarbeiten. Welches in mehrere 2-3 Monate unterteil werden kann. Die Idee ist in möglichst vielen Richtungen hinein zu schnuppern. Z.B. in einer Altersheimküche arbeiten, oder auf der Alp und im Wald. Vielleicht auch was mit behinderten Kindern. Möglichst viele unterschiedliche und herausfordernde Aufgaben soll es sein. Auch Sachen die ich mir nicht vorstellen könnte länger darauf zu arbeiten. Da ich alle 2-3 Monate den Ort wechseln werde, würde ich mir auch keine Wohnung suchen. Denn ich kann zwischen den Orten einfach hin und her fahren und Arbeitsplätze wählen, welche auch ein Zimmer anbieten. So kann ich Geld für die Miete sparen. Danach vielleicht noch ein Jahr arbeiten und auf ins nächste Abenteuer. Alaska nach Argentinien oder Afrika? Mal schauen ist ja noch nicht morgen soweit. 🙂

Nun aber zurück zur Reise. Nach einigen Diskussionen über mögliche nächste Schritte beschlossen wir zusammen in einen Nationalpark zu fahren um dort einige Nächte zu bleiben. Wieder mal die Ruhe geniessen ohne knatternde Motorräder oder schallende Karaoke Anlagen, welches beides genug in diesem Land gibt.

Brent
Zeltplatz
Hoehlenbegehung

Mittlerweile im Norden angekommen hat sich der Fahrstil der Vietnamesen verändert. Gefühlt wurde im Süden noch mit Gehirn gefahren, wo hier nur noch Chaos herrscht. Mehrere Kollisionen spielten sich vor meinen Augen ab, wo sich Leute unaufmerksam gegenseitig über den Haufen karrten. Kein Wunder, Schulterblick gibt es nicht und auch die Spiegel werden nicht benutzt.

Apropos Spiegel: Auf Cat Ba (Auch im Norden) hatte ich einen Beinah Zusammenstoss mit einem „Strandwagen“. (So eine Art Golfwagen in gross, welcher die Touris an den Strand chauffiert.) Die Strassen waren überfüllt und ich setzte zur Überholung an, als der Typ ohne zu schauen grosszügig nach Links ausschlägt um irgendwas zu überholen. Es ging steil nach unten und ich konnte nur mit ach und Krach einen Zusammenstoss verhindern. Wütend, da solche Situationen viel zu viel passieren, schrie ich denn Fahrer an und schlug auf seinen Spiegel, welcher er doch verdammt nochmals benutzen soll. Schliesslich ist er dafür da. Dieser zerbrach in dutzende Stücke als meine Hand sanft die Rückseite massierte. Das war zwar nicht beabsichtigt, aber gross leid tat es mir auch nicht. Auf eine Diskussion hatte ich keine Lust, so machte ich mich aus dem Staub. Denn die Strasse war verstopft, er würde mir nicht nachkommen. Bisschen unüberlegt setze ich mich in mein Standardkaffee um zu Essen, wo er mich dann aber einige Minuten aufspürte. Schnell hat er eine Freundin organisiert welche mit mir das Gespräche suchte. „Was denn passiert sei“, fragte sie mich. Ich erklärte das der Typ mit seinem rücksichtslosen Fahren, einen Unfall mit mir in Kauf genommen habe. Und das ich durch mein Hinweisen auf diese Situationen unbeabsichtigt seinen Spiegel zerschlagen habe. Sie würde mir aber nicht glauben, dass er schlecht gefahren ist, schliesslich hatte ich keine Verletzungen davon getragen und der Spiegel sei ja kaputt. Sie kam zum Schluss, dass ich wohl ein böser Mensch sein muss, was sie mir auch sagte. Schliesslich war mir ja nichts passiert. Da es hier wohl kein Vergehen ist, andere mit rücksichtlosem Fahren zu gefährden, machte ich der Frau klar, dass ich kein Interesse mehr habe mit ihr zu reden. Sie war sichtlich empört und drohte mit der Polizei. Welches von mir begrüsst wurde. Hauptsache nicht dieses sinnlose Gespräch. Beide verliessen das Kaffee und liessen mich alleine zurück. Vorauf ich mich auf machte mal wieder das weite zu suchen, denn ich wollte nicht mit irgendwelchen korrupten Polizisten abhängen. Die Chance auf eine Ende das ich fair finden würde, wäre wohl eher gering. Noch einen Umweg durch den Markt gemacht, eine Treppe hoch und ich war mir sicher das mich niemand mehr verfolgen würde. So verliess ich noch am gleichen Tag die Insel, was aber sowieso geplant war.

Man könnte fast sagen: Der Fahrstil im norden ist fast so gut wie die Helme, welche hier getragen werden. Da gibt es Plastik Schüsseln, Pfannen, Helme ohne Kinnband welche mit einer Hand gehalten werden müssen damit sie nicht davon fliegen, Baustellenhelme, Helme welche für den weiblichen Zopf eine extra Aussparung am Hinterkopf haben, auch kein Helm ist beliebt und zu guter Letzt habe ich einmal eine Salatschleuderschüssel gesehen. Natürlich gibt es auch ein paar welche besser Helme haben. Um mein Vergleich aber noch zu beenden:

Das Fahrverhalten ist beschissen!

Ich bin wirklich froh meinen Stock zu haben, denn dadurch kann ich wenigsten die ganze Scheisse auf Distanz bekommen. Es fühlt sich so deutlich besser an. Nur ab und zu meckert mal Irgendjemand beim durchfahren, da schrei ich dann aber nur zurück und mache irgendwelche Gesten um verständlich zu machen was ich von dem Verkehr halte, nicht das es mir wichtig wär die Situation zu klären, ist halt witzig Quatsch rumzubrüllen.

Auch habe ich angefangen meinen eigenen Helm mehr zu tragen, gerade auf solchen Strassen. Gutes Vorbild!

Ich schweife schon wieder ab. Nationalpark! Der Vorteil in einer Gruppe zu sein ist sicherlich die Möglichkeit länger an einem Ort zu bleiben, ohne das es Langwellig wird. Bisschen Quatschen, Schachspielen, Musik machen oder gemeinsam die Gegend erkunden. So blieben wir ganze 3 Nächte in unserem kleinen Himmel des Friedens. Bis schliesslich uns das Essen ausging, denn dort Hinten gab es nur fliessendes Quellwasser.

Die nächste Tage verliefen ohne grosse nennenswerte Ereignisse. Was ich angenehm an unsere Gruppe fand, war das wir nicht immer zusammen fuhren. So machten wir uns Ziele aus und würden uns einige Tage später wieder treffen. So konnte jeder sein eigenes Ding machen. Und das ist mir auch wichtig, denn sonst würde ich nach maximal 2 Wochen mein eigenen Weg wählen, so wichtig war mir Gesellschaft noch nie, dass ich mich grossartig Anpassen wollen würde.

Auf Cat Ba habe ich auf Rat von Leandro mal ausprobiert Musik in den Strassen zu spielen, denn Musik würde immer funktionieren. Und wenn man sich noch ein Schild schreib, was erklärt wie man reist, sorgt dies noch für mehr Aufmerksamkeit. Und Cat Ba ist deswegen auch besonders gut, da es eine Feriendestination ist, also viele Leute herkommen, die es nicht stört ob sie noch einen Dollar mehr oder weniger ausgeben. So verdiente ich in zwei Abende ganze 50 Dollar, was ein beträchtlicher Betrag ist, dadurch konnte ich Locker eine Woche leben. Aber im grosse Stile will ich das trotzdem nicht machen, denn dies würde auch nicht überall so gut funktionieren.

Weg nach Cat Ba
Wie nennt der Vietnam seine eigene Automarke?
Leandro
Trocknung von Kleider unterwegs.
Campingspot auf Catba
Schild fuer Musik in den Strassen.

Ein Paar Tage bevor wir uns wieder In Hanoi treffen wollten um unsere Visas zu verlängern, gab es erneute Coronafälle in der Mitte des Landes. So war die Situation erneut mal ungewiss und wir beschlossen uns nach einer Woche in Hanoi ein Haus zu suchen wo wir einen Monat bleiben könnten.

Die Situation im Moment ist komisch. Es gab die ersten Toten im Land und auch verbreitete sich der Virus erneut. Gefühlt will dies aber niemand so richtig wahr haben. Nur wenige Sachen sind geschlossen und so weiss man nicht recht ob es noch vernünftig ist, am sozialen Leben teilzunehmen, denn es gibt kein offiziellen Lockdown. Und z.B. Gaminghäuser sind noch offen, aber die Socialdanceabende finden nicht mehr statt. So verbringen wir viel Zeit zu Hause.

Ich habe mir es zur Aufgabe gesetzt mich mit meiner Gitarre mehr auseinanderzusetzen. Und verbringe Stunden damit neue Licks und Scales auswendig zu lernen, solange bis ich die Saiten vor schmerzen nicht mehr hinunterdrücken kann. Dies ist bei 2-3 Stunden pro Tag üben ein ernstes Problem, vielleicht wird es ja über die Zeiten noch besser. Vielleicht hilft es auch wenn ich mir die Fingerspitzen mit Leim zukleben würde. Mal schauen.

Zum Abschluss noch ein kleines Anderes Thema. Da es in den letzten Wochen so heiss war, hatte ich immer ein grosses Verlangen nach kaltem Wasser. Und stoppte viel bei Restaurants. Doch selbst wenn man sich Kaltes Wasser kaufen würde, war dies in 30 Minuten wieder warm. Deswegen besorgte ich mir zwei grosse Thermosflaschen um das Nass über längere Zeit kühl zu halten. Es ist genial! Ebenfalls habe ich ein Problem in meiner Küche beseitigt. Ich war genervt von meinem Titanium Topf und den beschränkten Möglichkeiten welcher dieser zum Kochen bietet. Denn alles brennt an. So habe ich mir eine kleine Marmor Bratpfanne gekauft, welche einfach genial ist. Nun kann ich z.B. Crepes machen, Spiegeleier oder auch einfach gemütlich Gemüse anbraten. Es eröffnet so viele neue Möglichkeiten, was Spass macht.

Sexy oder?

Da ich nun Hanoi bin wird es wohl nicht viel zu erzählen geben. Eine neue Aufgabe die ich mir noch gestellt habe, ist mehr Strassenfotographie zu machen. So wird wohl der nächste Blog zum Grossteil aus Bildern bestehen. Da ich aber schon jetzt viele Bilder von Hanoi habe, gibt es hier schon mal einen ersten Teil. Meine persönlichen Lieblinge zuerst und der rest in einer grossen Galerie:

Galerie:

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