Jeden Tag eine neue Idee!

Cao BangHa Noi

Tag 602 – 625  (25.10.2020 – 16.11.2020)

Kilometer 18’626 – 19’048

Schaut mal in meiner neuen Galerie vorbei. Hier werde ich in den nächsten Tagen Highlight Fotos zu den verschiedenen Ländern posten. 
 
 

Gestern hätte ich mir fast einen Flug gebucht, heute bleibe ich länger und morgen werde ich Englischlehrer. Im Moment weiß ich selber nicht was ich will. Dies ist aber nicht weiter tragisch, denn ich habe die Möglichkeit meinen Ideen zu folgen, bis ich merke das es nicht mehr das Richtige ist. So wie schon diese ganze Reise, eigentlich nur eine spontane Idee gewesen war. Welche jetzt dann bald schon zwei Jahre anhält.
Da mir das Festsitzen doch langsam anfängt zu nerven und ich gefühlt schon überall im Vietnam mindestens zweimal gewesen bin, habe ich mich für neue Ideen umgesehen. Wer sich schonmal über den Vietnamesischen Arbeitsmarkt informiert hat, wird schnell merken in welche Richtung es gehen wird. Lehrer! Und zwar Englisch aber auch Deutsch ist stark gesucht. Am liebsten Ausländer, denn die Wirtschaft Vietnams ist stark am Boomen und die Leute werden reicher und suchen deshalb Befriedigung im Luxus. Und dazu gehört auch den Kindern teure Ausländer, als Lehrer an die Seite zu stellen. Die Preise lassen sich sehen, mit Bachelor, TEFL und Erfahrung sind da schon bis zu 30 Dollar die Stunde drin. Aber auch als Quereinsteiger und nur mit einem TEFL kann man um die 17-20 Dollar die Stunde verdienen.

Kein Verhältnis zum einen Dollar pro Stunde als Geschirrspüler oder Lebensmittelausträger.
Mit 20 Dollar kann man auch schon einiges Anfangen, es reicht für bis zu 10 einfachen Mahlzeiten. Oder 2-3 Nächte in einem Hostel, oder Wohnung. Ab 10-20 Stunden pro Woche, kann man hier bequem Leben.

Seitdem die Coronasituation sich in Europa wieder zugespitzt hat und ich auch das „noch nicht Winter“ Zeitfenster verpasst hatte, war meine Motivation nun zurückzufliegen auf Staubkorngröße geschrumpft. Aber was tun? Weiter umher reisen machen nicht mehr so Sinn.
Das heißt ich muss mich irgendwo Niederlassen, denn jetzt geht es nicht um Wochen, sondern Monate oder sogar Jahre. Der Süden ist keine Option, denn dort ist es meisten Heiß und Flach, das naheliegendste wäre wohl Hanoi. Denn ich wollte ja auch ein bisschen Geld verdienen und dies geht am besten in den großen Städten, wo das Geld liegt. Das Ziel ist, in diesem Jahr kein Geld zu verlieren. Einen simplen Lebensunterhalt zu finanzieren und vielleicht auch einige Investitionen ins Equipment machen zu können. Auch kannte ich in Hanoi schon einige Leute, da ich dort ja schon 1 Monat gewohnt habe.

Die Idee mich im Ausland niederzulassen, hatte mir noch nie so gefallen, sogar eher Angst gemacht. Denn Anschluss in einer Gesellschaft zu finden und genügend Menschen kennenzulernen, welche sich auf mich einlassen wollen, wir wohl nicht eine einfache Sache sein. Das wird wohl eine Berg- und Talfahrt werden. Aber andere Optionen gibt es nicht. Auch predige ich ja ständig, seine Komfortzone zu verlassen, nun bin ich wohl wieder einmal an der Reihe.

Alleine unterwegs zu sein macht mir keine Probleme, das Radfahren und alles was dazugehört ist Beschäftigung genug. Aber alleine ohne Freunde in einer Stadt zu leben macht mir Angst. 24 Stunden ist so viel Zeit, wenn man es nicht einfach mit simplen Radfahren füllen kann.

Auch habe ich keine Ausbildung, welche mir groß weiterhelfen wird. Als Bauzeichner, wird es wohl schwierig sein eine Stelle zu finden. Gitarre, Tanzen, Fotografie oder Abenteuer erzählen? Was hab ich schon groß zu bieten in einem professionellen Umfeld? Sprachen? Na ja ein bisschen. Ich kann mich klar auf Englisch verständigen, aber mir ist auch bewusst, dass ich Schwächen habe und mir Teile vom spezifischen Vokabular fehlt. Deutsch? Muttersprachler aber keine extra Ausbildung, geschweige denn ein Studium. Also ein kompletter Quereinsteiger, nicht so ein gutes Gefühl.

Ich beschloss ein TEFL zu machen, diese gibt es für ein paar Hundert Dollar online zu kaufen und im Selbststudium abzuschließen. Irgendwie sollte ich mich ja auch vorbereiten. Dazu würde ich ein paar Wochen in Cao Bang bleiben, denn die Stadt ist ruhig und hat alles, was ich brauche.

Ein kleines Hipster Cafe wird mein Büro, wo ich mich nun jeden Tag mehrere Stunden hinsetzten würde. Der erste TEFL Tag war schlimm. Meine Gedanken waren überall, aber nicht bei meinem Kurs und den trockenen Texten, welchen mir erklären wollte, wieso ich gerade eine sehr gute Entscheidung getroffen habe und wie viel Geld ich denn in Japan als Englischlehrer verdienen könnte.

Ohne Kaffee ohne mich.

Nachdem ich die ersten Seiten lustlos weggeklickt habe und feststellen musste, das jedes Kapitel mit einem Fragebogen abgeschlossen wurde, nahm ich mir mehr Zeit die Texte durchzulesen. Nach einigen Tagen entstand sogar ein Flow. Alte Regeln wurden wieder aufgefrischt. Und auch sah ich viele Dinge wo ich noch präziser sein könnte. Im Flow beendete ich den Kurs inert 2 Wochen.

Sogar Parties hielten mich nicht vom Lernen ab.

Es war eine gute Zeit. Ein Ziel zu haben, ein Ort als Zuhause zu empfinden. Die Restaurantbesitzer kannten mich. Meine Nudelfrau begrüßte mich mit den Vietnamesischen Worten „vegetarisch“, die Früchtehändlerin nickt mir zu, bei meinem Vorbeifahren. Und auch habe ich das Gefühl das die Leute mich fair behandelten.

Ein bisschen nostalgisch war ich schon als ich meine Taschen gepackt hatte und es hieß weiterzufahren. Dies war aber auch nötigen, denn meine Motivation und Gute Laune war nach Kursende so schnell wieder weg, wie sie gekommen ist. Ich fühlte mich leer und ohne Idee.

So würde ich noch eine letzte Runde durch die Stadt drehen, um einigen Leuten auf Wiedersehen zu sagen. Meinem Gaminghausbesitzer, schüttelte ich die Hand, als ich ihn durch Zufall auf der Straße traf.

Eines Tages, auf kleinen Straßen unterwegs hatte ich schon früh ein Platz gefunden und viel Zeit zum Kochen und chillen. Um 18:00 ist es dunkel und um 20:00 schlief ein.  Es ist ein gutes Gefühl mit dem Licht zu leben. Wenn ich früh schlafen kann, stelle ich ein Wecker gegen 05:00 Uhr. 8 bis 9 Stunden sind mehr als genug. Um 06:00 Uhr stehe ich auf und zwischen 7 und 8 fahre ich los.

Eines Morgens folgte ich einer Straße mit schlechtem Asphalt.
Welcher sich dann plötzlich und unverhofft in eine neue Straße wandelte. So gleite ich über Stunden durch menschenarme Täler. Meine Laune stieg pro Meter welcher ich zurücklegte. An diesem Tag ließen mich sogar die meisten Vietnamesen in Ruhe. Einfach mal wieder bisschen alleine sein ohne jede fünf Sekunden mit Menschen interagieren zu müssen tut gut. Solche Momente sind mir mehr Wert als irgendwelche Wasserfälle, oder andere Sehenswürdigkeiten.

Schlechte Strasse.
Perfekte Strasse fuer mich alleine.

Das ist wohl auch einer der Hauptgründe wieso ich reise, einfach unterwegs zu sein, in Gedanken versunken, Musik zu singen oder einfach still zu sein und über diese Straßen zu fliegen, ohne groß davon abgelenkt zu werden. Das ist mir viel wichtiger als jede Top 10 Liste mit Dingen, die ich irgendwo machen müsste. Lieber viel verpassen und den Moment leben, als von Punkt A nach B zu rennen.

In den letzten Wochen habe ich mich immer in der Nähe der chinesischen Grenze aufgehalten, teilweise sogar nur eine Flussbreite davon entfernt. Ich habe noch nicht erwähnt, dass ich im Moment kein Pass dabei habe und mir etwas unwohl war durch kleinste „Border Belt“ Straßen zu fahren. Mich würde es reizen einen kleinen inoffiziellen Grenzübergang anzusehen, aber dies ist wohl nicht so vernünftig.

Es wurde schon langsam dunkel und es war leider noch kein Platz zum Campen in Sichtweite auch gab es zum Schluss dieses Tages noch eine Steigung, welches die Suche noch zusätzlich erschwert, schließlich muss man ja zuerst mal hochfahren. Auf dem Weg zum Pass wollte mich noch Polizist anhalten und kontrollieren, ich war Schweiß getränkt und Oberkörper frei, erklärte ihm das wir auf dem Gipfel reden können, weil ich in der kalten Luft nicht warten wollte. Ohne irgendetwas sehen zu wollen, ließ er mich in Ruhe. Mir soll es recht sein. So würde ich gerade noch den Sonnenuntergang auf dem Pässchen sehen.

Bis in die Dunkelheit fuhr ich, konnte aber keinen Platz mehr finden, denn ich war in einem unendlich langen Felddorf gefangen. Ein Tal, welches eine Hauptstraße hat und alles herum bewirtschaftet wird und die Leute direkt an der Straße wohnen. Hier waren die Felder noch nicht geerntet und ich konnte nirgends mein Zelt aufbauen. Auch wird es in der Dunkelheit schwieriger, denn man kann nicht mehr sehen, ob es irgendwo weiter entfernt einen möglichen Platz gäbe. 

Ich fand ein Hotel, welche aber für mein Gemüt zu viel Geld haben wollten, nach einigem Verhandeln gab ich auf. Wieder auf der Straße kehrte ich um und fragte nochmals, ob ich denn im Feld hinter dem Haus schlafen könnte, denn es ist dunkel und ich werde sowieso nichts Schlaues mehr finden. Die Dame war ganz verwirrt über meine Idee und bot mir schlussendlich ein Bett für umsonst an. Lustig dieser Sinneswandel, abgelehnt habe ich dann natürlich nicht.

Wieso meisten sind die letzten Tagen bevor Ankunft in einem Etappenziel, von Gedanken genauer dieser geprägt und so war ich schneller wieder in Hanoi als erwartet. Ich wurde mit dem längsten Regenschauer in den letzten Wochen empfangen. Schön wieder zurück zu sein. Für ein paar Tage würde ich auf einer Couch schlafen können, bis ich meine eigene Bleibe gefunden habe.

Letzte Nacht, als Vagabund.
Zurueck in Hanoi. Das Chaos!

Über Wohnung und Arbeitssuche, Pole Dancing und mehr beim nächsten Mal.

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