Nord Vietnam

Hanoi – Sapa – Ha Giang

Tag 526 – 588 (10.08.2020 – 10.10.2020)

Kilometer 17’526 – 18’276

Hey du! Kennst du mich noch? Ja ich weiß schon bisschen länger her, aber keine Angst ich bin gesund und munter.

Was ist in den letzten zwei Monaten passiert?

Nach 5 Wochen in Hanoi wurde es für mich Zeit wieder raus zu fahren. Die Stadt ist laut und anstrengend. Auch gibt es nicht so viel zu tun für mich. Die meiste Zeit habe ich in Herumliegen investiert und an meinen Gitarrenfähigkeiten gefeilt. Dies war sicherlich auch eines der Highlites der Zeit, denn ich konnte mich in die lokale Musikszene integrieren und kannte nun einige Menschen zum regelmäßigen Musizieren. Dadurch konnte ich auch mein Verständnis der Musik und wie man sie spielt auf ein neues Level bringen.

Open Mics
Sonnenaufgang in der Naehe von Hanoi.
Ab und zu gab es auch mal Hochwasser in den Strassen.
Sonnengebrauent mal anders. Dieser Efekt entstand, weil ich den Lenker immer gleich gehalten habe.

Zusammen mit Brent und Leo haben wir uns ein geräumiges Haus gemietet und harten dort aus. Denn es war nicht sicher, ob es wieder zu einem Lockdown kommen würde. Und unterwegs zu sein, in dieser Zeit wollten wir alle nicht. Auch würde die Regenzeit nun bald anfangen, was ein Dach über dem Kopf noch attraktiver machte.

So vergingen die Wochen und es wurde Zeit wieder aufzubrechen. Schon seit ein paar Monaten stand eine Idee im Raum das mich Thao, eine Vietnamesin, welche ich in Saigon beim Tanzen kennengelernt hatte, begleiten wollte. Mal Fahrradluft schnuppern. Meistens wenn ich Leute kennenlerne, welche sich für diesen Reisestil interessieren, lade ich sie mit einem Augenzwinkern ein mal mitzukommen. Mir ist bewusst das dies nur selten umsetzbar sein wird, so macht es ja nicht aus dies regelmäßig mal in den Raum zu werfen. Verlieren kann man ja nichts. Und so würde sie nach Hanoi kommen, um mich Richtung Norden zu begleiten.

Der Norden ist die Region mit den meisten Höhenmeter. Und ich denke es gibt auch eine Faustregel je mehr Höhenmeter, desto schöner werden die Strecken. So haben wir uns entschieden die Szenerie reichen Wege zu fahren, ob dies aber gelingen würde mit zwei Pässen über 1500 Meter, konnte ich nicht sagen. Auch würden wir auf Thaos ersten Fahrradtour gleich mal den höchsten Pass von Vietnam befahren, welcher die 2000 Meter Grenze knackt.

Was da genau auf sie zukommen würde, war ihr nicht bewusst, sie wollte es auch nicht so genau wissen und ich habe Sorge getragen, es ihr nicht zu genau zu erklären, denn die Fakten waren schon eher abschreckend, wenn man sie nicht in ein Verhältnis setzen kann. Denn zum Beispiel zu wissen: Hey du wirst 7 Stunden im Regen und schlussendlich Dunkelheit einen steilen Pass hochfahren! Motivierend? Später dazu mehr.

So sind wir an einem sonnigen Morgen von Hanoi losgefahren. Und nach nur wenigen Kilometer auf kleine harmonische Straßen gelangt. Total überraschend diese so schnell zu finden. Ich dachte, wir würden den ganzen Tag auf einem Highway sein. Ich fühle mich verantwortlich für die Routenwahl und ihre Konsequenzen. Schließlich habe ich Thao ja eingeladen, so will ich ja auch ein gutes Erlebnis bieten. Und vor dem Verkehr der ersten Tage hatte ich Angst, dass es ein schlechter Start werden könnte.

Willste Fleisch kaufen?

Wie sich dann aber später herausstellte und ich glaube das ist allgemein bei vielen Vietnamesen so, ist das Thao Lärm und Verkehr überhaupt nicht gestört hatte. Auch dutzende große Lastwagen in der Stunde an uns vorbeirasen zu sehen, ließ sie kalt. In diesem Land gibt es auch eine ganz andere Lärmbelastung, Kinder wachsen an Hauptstraßen auf wo hunderte Busse, mit nicht zu leisen Hupen am Tag durch brettern. Deswegen ist Lärm hier wohl ziemlich normal und auch nicht störend, wie es für Außenstehende wirken könnte.

Normaler Schulweg?

Um einen kleinen Vergleich zu machen: Man nehme ein 2000 Selendorf in der Schweiz und baut es an beiden Seiten einer Autobahn. Das ist Vietnam an vielen stellen. Auch hier wo ich gerade sitze, um meinen Text zu schreiben, findet eine Hochzeit statt, direkt an der Schnellstraße wo alle 20 Sekunden ein Bus oder ein 40 Tonnenlastwagen durch fährt.

Also war meine Sorge über Lärm unbedenklich, ein größeres Problem stellte dann eher die Hitze dar, welche hier nun nicht mehr so schlimm war wie noch in Zentralvietnam, aber sicherlich immer noch eindrücklich für eine Ersterfahrung. So endete der erste Tag, wir hatten einen gemütlichen Start.

Nun würden aber schon bald in die ersten Hügel kommen. 200 Meter! 400 Meter! Jeaiii! In meinem Kopf musste ich über dies immer Lachen, denn ich wusste was da noch für Wände kommen würden und diese Hunderter Hügel wahren eher ein Witz. Aber die meisten Steigungen hier sind schon nicht ganze ohne, immer extrem steil. Vielleicht kurz, aber so ein 10-15 Minütiges Vollgas zu geben unter praller Sonne bringt jeden zum Schwitzen. So war auch der Zweite Tag eine deutlich größere Herausforderung als noch der erste. Thao meinte später, nichts war so schlimm wie der zweite Tag.

Und so ging das weiter Tag für Tag. Wir hatten es gut zusammen, meine anfänglichen Sorgen ich würde sie immer abhängen blieben unbestätigt. Denn Thao war fit und deutlich leichter unterwegs als ich. So war sie eigentlich immer schneller, bis auf die längeren Steigungen da machte sich dann doch noch ein Unterschied bemerkbar. Und das ist auch gut so, es darf sich schon ein Unterschied zwischen uns zeigen, schließlich mache ich dies auch schon seit über 1.5 Jahren! Durch Neugier habe ich mal wieder mein Rad gewogen und es brachte ganze 65 Kilo auf die Wage. Keine Ahnung wie dies passiert ist. Dachte immer es wäre so um die 50 gewesen. Aber wohl mit bisschen Essen, Wasser und den paar neuen Sachen die ich dabei habe, kann das schon hinkommen. Thaos Rad war um die 25 Kilo.

Und so würde auch der erste Pass kommen 1600 Meter über Meer, stellte kein größeres Problem dar. Nach 5 Stunden waren wir oben, wir waren fast schon ein bisschen enttäuscht, dass es vorbei war. Persönlich liebe ich ja lange Aufstiege, nach einer Zeit kommt man in einen Flow und die Zeit verschwimmt um einen herum und man kann einfach im Kopf frei sein. Dies funktioniert natürlich nur, wenn mein Ziel ist im Moment zu sein und nicht die Spitze erreichen zu wollen. So fühlen sich Stunden wie einige Augenblicke an. Auch wird man nicht aus dem Rhythmus geworfen, wie beim ständigen auf und ab kleiner Hügel.

Mehr im Norden wurde auch das Wetter wechselhafter. Am Anfang noch Sonnig und heiß, machte es nun Platz für Nebel, Wolken und Regen. Was sowieso deutlich angenehmer zum Fahren ist. Man musste nur immer auf der Hut sein und den Himmel beobachten, denn da kann schon mal inert Sekunden ein Platzregen kommen und wenn da nicht ein Haus in der Nähe ist, hat man Pech gehabt. In der Ferne konnte man fast jeden Tag irgendwelche Regenschauer vorbeiziehen sehen.Thao war beeindruckt von meiner Teilweisen Präzision Regen vorherzusagen, das ich den Namen „Rainboy“ bekommen habe.

In dieser Zeit sind im Vietnam die Reisfelder reif und wechseln ihre Farbe von grün zu gelb. So zieht dies auch viele Locals in die Berge, um dieses Naturspektakel anzusehen. Und es sei dir versichert, Vietnam hat viele Reisfelder, sehr viele. Überall Türmen sich die Terrassen die Hänge hoch. Ich habe sehr viele Bilder von Reisfeldern gemacht. Hier nun die besten:

Dies ist aber auch ein Problem für Wildcamper. Im Norden gibt es vier verschiedene Terrainsituationen:

– Reisfelder. In dieser Zeit nicht becamp bar. Da meistens noch matschig von dem vielen Wasser. Das wird noch so 3 Monate dauern.
– Strassen: Matsch oder Asphalt
– Häuser! Wirklich überall! Um jeder Ecke an jedem Wegende steht ein Haus und leben Menschen.
– Oder falls nicht davon zutrifft, sind es 45 Grad Gestrüpphänge.

Es ist sehr schwierig einen Platz zu finden. Geschweige den einen Platz wo man Ruhe vor neugierigen Blicke hat. Gerade in diesen Witterungsbedingungen ist der Boden sehr wichtig. Wenn das Zelt nicht auf festem Grasboden steht und es in der Nacht runterlässt, schläft man ziemlich schnell im Wasser und nicht auf festem Grund.

Deswegen haben wir uns meistens für Hotels entschieden. Denn zu zweit sind die 8-10 Dollar pro Nacht nicht so ein großer Einschnitt wie alleine zu sein. Auch hat jemand von uns eine interessante Geruchsentwicklung nach einem langen Tag im Sattel. Ich verrate nicht wer. 😉Zu zweit ist es einfach auch angenehmer mehr Platz zu haben, in einem Zelt kommt man sich schnell in die quere. Speziell, wenn die Witterungsbedingungen ein gemütliches draußen Sitzen verhindern.

Nach 2 Wochen standen wir vor der letzten Herausforderung. Der 2000 Meter Pass vor Sapa. Dieser Tag würde uns als „The long black Night“ in Erinnerung bleiben. Seit einigen Tagen hat ein feiner Nieselregen eingesetzt, welcher nur selten innehielt. Und auch an diesem Tag ließen die Wolken nichts Gutes verheißen. Gegen Mittag erreichten wir den Fuß der Steigung. 25 Kilometer und 1500 Höhenmeter galt es zu überwinden. Ein starker Wind brauste uns entgegen und der Regen ließ uns auch nicht in Ruhe. Da ich mit Regenjacke oder auch nur Shirt unangenehm schwitzen würde, musste ich oberkörperfrei den Berg hoch. Und nach jeder links Kurve würde der kalte Wind erneut mich begrüßen und mir ins Gesicht peitschen. Ziemlich unangenehm und auch wurde es eine Stunde vor Spitze dunkel. Mittlerweile regnete es in Strömen, alles war nass, aber wir kämpften uns den Berg hoch, denn Campspots gab es nicht. Alle paar Minuten ließ ich mein Rad stehen und rannte zurück um Thao hochzuschieben, denn je schneller wir hier raus sind, desto besser. Um 7 Uhr würden wir dann auch die Spitze erreichen. Durch den Regen würde der einzige Camspot denn ich hier kannte, ich war schon mit dem Motorrad hier, sicherlich unter Wasser stehen. So gab es eigentlich nur noch die Möglichkeit ins 15 Kilometer entfernte Sapa zu fahren, damit es ein versöhnlicher Abschluss des Tages werden könnte. So fuhren wir in der Dunkelheit nach unten. Mir war nicht so wohl bei der Sache. Schlechtes Licht, steile nasse Straßen. Schwierige Bedingungen. Thao fuhr voraus und ich hinter. Nach einigen Minuten tauchte vor mir eine Gestalt auf, neben der Straße am Boden in einem Bächlein liegend:

Es ist Thao. Ist sie verletzt? Kopf, Wirbelsäule! Ist sie ansprechbar? Hallo! Ich wusste nicht was genau passiert ist und hatte nur dieses Bild vom Motorradunfall im Kopf, das man ja nicht den Hals bewegen sollte, nach einem größeren Unfall. Zum Glück war Thao ansprechbar und außer ein paar Schürfungen hatte sie sich nicht verletzt. Habe ich es schon erwähnt? Es regnete in Strömen. Wir beide Zitterten am ganzen Leib und mussten zuerst mal mehr Kleidung anziehen. Zu diesem ganzen Tag gesellte sich noch ein platter Vorderreifen von Thaos Rad dazu, welcher es zu reparieren galt, denn Sapa war noch 12 Kilometer entfernt und um diese Uhrzeit fuhren hier keine Autos/Lastwagen mehr, welche uns helfen hätten können.

Nach ein 30 Minuten war das Problem behoben. Gemeinsam machten wir uns auf langsam weiter zu fahren. Ich hoffte inständig das dies nicht nochmals passieren würde, vor meinem inneren Auge sah ich Thao um jede Ecke in einer neuen Pfütze liegen. Denn ihr Rad war auch nicht wirklich für diese Situation ausgelegt. Eher ein klassisches Stadtbike mit dünnen Räder und Felgenbremsen, als ein Mountain/Tourenbike. Wir würden es dann aber 40 Minuten doch noch in die Stadt schaffen und beendeten den Tag mit einer sehr langen warmen Dusche und einer Pizza. Es war eine sehr gute Dusche.

Sapa, immer neblig.

Als Abschluss der gemeinsamen Zeit war noch eine mehrtägige Wanderung geplant auf den Bach Moc. Dieser Berg hatte ich schon Anfangs März bestiegen, wollte aber sowieso nochmals gehen, da ich die Ruhe dort oben genieße und ich auch nicht so Glück mit dem Wetter hatte das letzte Mal.

Glück mit dem Wetter ist aber auch eine Frage der Perspektive, denn beim letzten Mal hat es nicht geregnet und die Wege waren fest. Nur der Nebel und die Wolken haben eine weite Sicht über 2000 Meter verübelt. Dieses Mal war es ganz anders. Regen die ganze Zeit und die Wege wurden zu Schlammmassakern. Am Anfang versuchten wir noch diesen auszuweichen, doch mit der Zeit wurde es so aussichtslos und die Gewissheit immer größer, das wir nun für 4 Tage durchtränkte Schuhe und Kleider haben werden. Alleine hätte ich wohl abgebrochen, aber zusammen beschlossen wir weiterzumachen. Nach einer Zeit war aber auch alles egal. Nach dem 5ten Mal Knöcheltief einsinken in den Schlamm und diesen in den Schuhen zu spüren, macht es dann auch keinen Unterschied mehr. Wir wurden auch schlussendlich belohnt mit einigen Stunden grandioser Aussicht über den Wolken. Nochmals da hoch werde ich wohl nicht, obwohl ich weiß, dass der Berg mir immer noch nicht seine ganze Pracht gezeigt hat.

So würde eine gute Zeit zu Ende gehen. Denn in Laocai kehrte Thao nach Hanoi zurück.

Es war eine ganz neue Erfahrung die Möglichkeit zu haben, zu verstehen was um mich herum abgeht. Normalerweise ist es schon ein Erfolgserlebnis, wenn ich Essen ohne Fleisch bestellen kann, nun mithilfe von Thao kann ich alles verstehen, was um mich herum abgeht. Ich war wie ein kleines Kind. Was hat die Frau gesagt, was schreit der Typ dort drüben und was steht auf diesem Plakat. Bitte erzähle mir alles!

Auch bekam Thao viel Aufmerksamkeit von den Lokals. Dies war auch lustig für eine Zeit wurde dann aber auch anstrengend für sie, denn meistens waren die Fragen sehr ähnlich und leider auch nicht gerade ausgeglichen. Jeder interessierte sich nur für mich. Von wo komme ich her, was tue ich hier? Thao wurde oft gefragt, ob sie den meine Übersetzerin sei, oder meine Frau. Und dies sehr direkt. Manchmal als erste Frage erzählte sie mir. Was in den ersten Tagen für viele Lacher von uns sorgte, aber dann nach einer Zeit seinen Charme verlor. Zum Glück wurde es weniger, je länger wir unterwegs waren. Auch ist es mit einem Lokal so einfach, Probleme zu lösen. Ich brauche die oder das, schnell jemand auf der Straße angequatscht, welche dann in die richtige Richtung zeigen. Ich hatte auch in den letzten Tagen in Hanoi selbst ein bisschen Vietnamesisch gelernt, war aber viel zu faul um es einzusetzen.

Es brauchte nicht zu viel Zeit, dass ich mich wieder alleine zurechtfand. Aber schon ein bisschen komisch nach 3 intensiven Wochen, sich nicht mehr absprechen zu müssen und einfach wieder wie früher drauflos zu gehen. Um das Gefühl des alleine seins zu erwürgen, habe ich viele Podcasts und Videos konsumiert, dies gab mir das Gefühl, das trotzdem noch Leute um mich herum waren.

Von Laocai, direkt an der chinesischen Grenze, würde ich nun weiter Richtung Osten fahren, über viele kleine Straßen entlang der Grenze. Ein bedrückendes Gefühl die Berge Chinas zu sehen und zu wissen, was alles in diesem Land abgeht. Auch bisschen froh nicht mehr dort hinzumüssen. Ähnlich war es als ich vor über einem Jahr das erste Mal Afghanistans gesehen hatte.

Grenzgebiet.

Im Moment verstehe ich nicht was genau hier abgeht. Durch den Tag, treffe ich so viele Menschen welche mir aufmunternd zu winken und rufen. Ich gebe Kindern Highfives und werde ich jedem Restaurant freundlich bedient. Mittlerweile ist mein Vietnamesisch auch brauchbar. Ich verstehe alle Zahlen. Kann die Leute richtig rufen und fragen wie teuer etwas ist. Auch kann ich erklären, dass ich kein Fleisch will, aber zum Beispiel Tofu oder Ei extra haben möchte. Auch kann ich nach Wasser zum Auffüllen fragen, damit ist das Wichtigste abgedeckt.

Scheisse! Ich komme zu spaet zur Schule.

Wird es nun aber Nacht wurde ich mehrere Male von der Polizei aufgegriffen, welche nicht glücklich darüber waren, dass ich Wildcampe. Corona, Corona! Ich müsse in einem Hotel bleiben oder die Region verlassen. Was ich nicht verstehe ist, dass durch den Tag sich Niemand für mich interessiert und dort habe ich hunderte Kontakte mit Menschen, aber in der Nacht, wenn ich alleine in meinem Zelt bin, ist das nun ein Problem. Und was ist dann der Unterschied, wenn ich einem Hotel bin? Eine Theorie die ich habe ist, dass sie Angst haben, ich könnte in ihrer Region erkranken und sie währen dann verantwortlich für mich. Keine Ahnung. Nach 1 bis 2 Stunden sind die Diskussionen mit den mal freundlicheren und teilweise auch aggressiven Polizisten vorbei und enden damit das ich mitten in der Nacht weiterfahren muss und nach einige Kilometer ungesehen einen neuen Platz suche.

Besonders eine Nacht blieb mir in Erinnerung, wo mich 6 schreiende Männer an meinem Zelt besucht haben. Ihr Vokabular war natürlich sehr beschränkt und der eine konnte gerade mal „Fuck you“ und „Lets go“ von sich geben. Dies waren alles Polizisten, welche irgendwie versuchten mich einzuschüchtern und ihre totale Inkompetenz zu überspielen. Ich musste sogar das Zelt abbauen und auf den Polizeiposten mitkommen. Wo sie dann nur noch weiter rumschrien. Ich kann solche Situationen schon lange nicht mehr ernst nehmen und musste nur noch ungläubig lachen. Schlussendlich hatte ich einige hundert Meter neben meinem alten Spot mein Zelt wieder aufgeschlagen, hat ja demnach viel gebracht diese Aktion.

Der Norden Vietnams ist die Region mit dem meisten Höhenmeter und kleinen Straßen welche sich die Berge hoch schlängeln. Aber egal wie abgeschieden man ist, es gibt immer noch Menschen und Dörfer, welche die Länder besiedeln. Es ist schier unmöglich einfach alleine zu sein. Dies stört mich persönlich, dauern im Interesse der Umwelt zu sein. Immer irgendwelche Menschen um mich zu haben, die mich anschreien und zuwinken oder einfach mustern als wäre ich etwas Giftiges. Ich würde gerne mal wieder eine Woche oder mehr unterwegs sein ohne irgendwas um mich herum, so wie das in Zentralasien im Gebirge war. Aber das gibt es hier leider überhaupt nicht.

Aber sonst gefällt es mir wieder in den Bergen zu sein. Anstrengende Tage mit vielen Höhenmeter dafür aber kühle Nächte. Zwar war die Schlafplatzwahl immer wieder schwierig, denn zuerst musste ich was finden und dann wollte ich warten bis es dunkel wurde, um den Farmern zu entgehen, damit ich nicht wieder die Polizei am Hals hätte. So hatte ich teilweise schon 2 Stunden vor Sonnenuntergang einen Platz gefunden, konnte aber nicht alles einrichten. Aber hat schon funktioniert, man muss ich halt den Gegebenheiten anpassen.

Oder man schlaeft in einer kleinen verlassenen Huette.
Taegliche Trocknungsaktion

Einmal war ich besonders clever. Ein Platz gefunden an einer kleinen belebten Kiestrasse wollte ich keine unnötige Aufmerksamkeit auf mein Schlafvorhaben richten und verbrachte gemütlich 2 Stunden damit Gitarre zu spielen und Kleider zu flicken. Niemand hatte hinterfragt was ich den hier tun würde und in der Nacht als es ruhig wurde, konnte ich dann ungesehen mein Zelt aufbauen und schlafen. Sneeaky boy. ^^
Ich glaube das funktioniert aber nur, weil es für die Leute hier unvorstellbar ist, das man in einem Zelt übernachten wollen könnte.

Seit Hanoi bin ich wieder 750 Kilometer unterwegs und habe 9500 Höhenmeter zurückgelegt. Für meine Schweizerfreunde ist das fast 7 Mal hintereinander auf den Simplon zu fahren. Nun werde ich ein paar Tage in Ha Giang bleiben um meinem Körper eine Ruhepause zu gönnen. Gerade die Knie sind doch stark gefordert in den letzten Tagen.

Noch ein Highlite von Thao während unserer gemeinsamen Zeit:

Erstes erfolgreiches Lastwagenfahren 🙂

Und das Thema wie es weiter gehen soll und ob ich zurückkehren will, habe ich für den Moment pausiert, dafür gefällt es mir wieder zu gut auf den Nord Straßen unterwegs zu sein. Im Moment kann man auch keine Flüge der Turkishairline buchen, welche als einzige Airline vernünftige Fahrradpreise anbieten. Um die 60 Dollar pro Rad. Sonst kann das schon mal 400-500 Dollar extra Kosten, den meine 30 Kilo Extragepäck zusätzlich abgerechnet. Mühsam! Wieso wird so genau aufs Gepäck geschaut, aber ob ein Mensch 30 Kilo mehr oder weniger auf den Rippen hat ist dann wiederum egal. Ich finde das gegenüber Fahrradreisenden diskriminierend! 😉

Ein Kommentar zu „Nord Vietnam

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  1. Hallo Micha, first,I wish you a nice Christmas and also safety 2021, with a lot of new crazy adventures.
    The trip with Thao and all the beautifully places you saw. Wawww.Your pictures are willy sublime. Nice mix between you, your guitar and spend your time to discover this beautifull planet. I didn’t niw that Vietnam is so beautiful. Nice time. Ps, the parapente you saw in the sky, perhaps it was Geito. 😄😄😄 He started to learn this.

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