Gestrandet in Dalat

Dalat – Ho Chi Min – Dalat

Tag 404 – 466 (10.04.2020 – 11.06.2020)

Da bin ich nun also, in Dalat mitten im Vietnam. Keinen blassen Schimmer wie es weiter gehen würde. Wie lange wird diese Lockdownsituation bestehen? Seit dem 01.04.2020 ist es allen Hotels verboten, neue Gäste aufzunehmen. Und der Lockdown würde bis zum 22.04 weiter gehen. Nur noch die wichtigen Läden waren offen und die meisten Märkte um frischen Gemüse zu kaufen. Ich hatte es ziemlich glücklich getroffen mit meiner Farm. Es gab eine gute Küche, einen kleinen Markt nur eine Minute entfernt und auch grundsätzlich war Dalat eine gute Stadt um ein bisschen abzuhängen. Nicht zu warm durch den Tag und wunderbar kühl in der Nacht. So konnte es sich ausharren lassen.

Es gab auch noch einige Sachen zu tun. Viele kleine Reparaturen standen an. Und ich nahm mir vor viel selber zu kochen. Die anfängliche Motivation jetzt gesund zu leben verflog dann aber nach 1 bis 2 Wochen. Ist es nicht immer so mit guten Vorsätzen? 😉 Obwohl ich nicht viel Schlaues machte, verlogen die Tage trotzdem irgendwie schnell und geschmeidig. Und in meinem kleinen Bungalow draußen hatte ich ein sehr schönes Zeltgefühl, was mich das draußen schlafen, auch nicht so vermissen ließ. Erst nach 3 Wochen wurde es mir dann langweilig und ich fing mich über mich selber aufzuregen, wie ich denn so faul sein konnte.

Was die ganze Sache angenehmer gestaltete, war das ich seit dem ersten Tag meinen Garten mit Ali, einer Engländerin teilte. So hatte ich über die ganze Zeit ein vertrautes Gesicht. Obwohl wir in den ersten Tagen ein bisschen aneinander gerieten, fanden wir dann trotzdem noch einen Weg zusammen und verstanden uns gut. Während dem ersten Monat kamen noch drei Leute vorbei, die dann aber auch weiter gingen. Es war also sehr ruhig. Auch in der Stadt war nicht viel los, was mir gut gefiel. Denn die hektischen Großstädte sind mir über längere Zeit zu viel.

Seit nun einem halben Jahr fahre ich mit meiner Kamera umher. Und vielleicht war es die Langeweile, aber sicher auch das steigende Interesse an der Fotografie, die mich dutzende Objektivreviews im Internet anschauen ließ. Denn ich wollte mein 16-50 Kitobjektiv aufstocken. Mehr Zoom sollte es sein. Wer sich schon mit diesem Thema befasst hat, weiß das es nicht eine richtige Lösung für dieses Problem gibt. Man muss immer mit Kompromissen arbeiten, außer ich würde eine ganze Tasche mit Objektiven füllen. Nach langer Recherche habe ich mich dann für ein 18-135 Objektiv entschieden. Ein kleiner nicht zu teures Alleskönner. Mit welchem ich im ersten Monat sehr zufrieden bin. Auch ist noch ein 12mm Samyang 2.0 dazugekommen, welches ich bis jetzt aber noch nicht in den Richtigen Umgebungen testen konnte. Auch habe ich angefangen von JPEG auf RAW umzustellen und werde nun einige Fotos editieren. So könnt ihr also von nun an noch mehr Abwechslung in meinen Bildern erwarten. Hier ein paar mit den neuen Objektiven:

Gegen Ende des ersten Monats lockerten sich die Bedingungen. Erste Kaffes öffneten wieder und auch die Straßen waren belebter. Ein kleiner Kulturschock, hatte ich Dalat als eine ganz ruhige Stadt kennengelernt. Nun tummelten sich die Massen auf dem Hauptplatz vor dem See und auch kamen jedes Wochenende tausende Vietnamesische Touristen, welche die Stadt förmlich überschwemmten. Leider bringen die meisten große Musikanlagen mit, worüber sie wundervolle Technomucke abspielen, oder noch besser hallendes Karaoke veranstalteten. Auch haben es die Gruppen nicht gerade gut mit, was für mich Anstand heißen würde, sie spucken auf den Boden, lassen Müll liegen und demolieren auch mal einen Gartenzaun um die richtige Höhe für das Grillgitter zu haben. Oder Blumentöpfe als Aschenbecher, wenn die Zigaretten nicht gleich auf den Boden geschmissen werden. Nun schon seit über drei Wochen in Ruhe und Frieden lebend, erfreute mich dies Szenario nicht gerade. Und nach dem einer dieser Typen vor mir auf dem Boden rotze stelle ich diese Gruppe erzürnt zur Sprache, was sie sich denn denken mit ihrem Verhalten an einem fremden Ort. Dafür gibt es an den meisten Orten einen Putzzuschlag, welcher genau dieses Problem löst. Nämlich zahlen die Gruppen einfach einen Betrag, damit ihr Dreck hinter ihnen Weggeputzt wird. Auch wenn das meiner Meinung immer noch nicht eine zufriedenstellende Lösung darstellt, ist es besser als was in den Wäldern passiert. Denn auch dort lassen sich die Gruppen nieder, ohne das ihr Müll von irgendjemandem aufgeputzt wird. Ich verstehe es einfach nicht wie man sich so Verhalten kann, denn dadurch kann ein Platz nur einmal benutzt werden. Beim zweiten Mal müsste man ja in seinem eigenen Müll sitzen. Das ist kein Respekt gegenüber Umwelt und Mitmenschen.

Natürlich gibt es auch Gruppen, welche sich Mühe geben und keinen Dreck hinterlassen, es ist aber schon eine klare Tendenz in die andere Richtung zu sehen. Auch ist das sicherlich nicht nur im Vietnam ein Problem, aber hier Lebe ich nun mal und hier bekomme ich es so stark und vor meinen Augen mit.

Was macht man nun, wenn am Wochenende die Stadt überflutet wird und meistens irgendwelche Großgruppen im Homestay übernachten? Genau, man geht raus Campen. Irgendwo weit genug weg vor dem ganzen Trubel. Dafür gibt es zwei Grundregeln. Erstens sollte nicht der erstbeste Ort gewählt werden, auch sollte dieser nicht unbedingt zu einfach per Auto oder Roller erreichbar sein. Sind diese zwei Kriterien erfüllt kann man davon ausgehen, einen Platz zu finden welcher nicht schon von dutzenden Gruppen bevölkert ist und auch keinen Müll herumliegen hat.

Ebenfalls ein interessantes Ereignis kann man am Wochenende in den Hügeln Dalats betrachtet. Gegen halb sechs, zu Sonnenaufgang machen sich hunderte Menschen auf den Weg zu einem Hügel. Es sind Hochzeitpärchen, welche sich zur früher Stunde im besten Licht ablichten lassen. Natürlich ist die Location per Auto erreichbar und so dürfen sich die Pärchen ihren romantischen Tag mit anderen Teilen. Aber nicht vielleicht mit zwei anderen, sondern um die 20 wohl sogar 30 Pärchen treffen sich auf diesem Hügel. Am Sonnenaufgangsspot drängeln sie sich mit wenigen Meter Abstand für das beste Bild. Ich habe das auf einer meiner ersten Sonnenaufgangstrips erspäht und mich gewundert was denn all diese weißen Punkte auf dem Hügel seien. Bis ich es dann nach einem Foto und Zoomen herausgefunden habe. So machte ich mich auf am nächsten Wochenende das Spektakel von Nahmen auf die Linse zu bannen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Zwar konnte ich nicht das Foto schießen, was mir im Kopf schwebte, aber trotzdem sollte die Idee vermittelbar sein auf meinen Bildern. Es muss wohl eine Art Tradition sein, denn es passiert jedes Wochenende und die Leute werden wohl wissen was dort abgeht. Auch gab es einige Autos, welche von Hochzeitfotografen waren. Romantisch ist es aber sicherlich nicht. Denn in meiner Fantasie ist es der beste Ort um zu Vergleichen. Wer hat das schönste Kleid, den schönsten Mann oder die schönste Frau? Na ja verstehen muss ich es wohl nicht, aber es wird sicherlich immer wieder aus neue jedes Wochenende passieren.

Viele Bräute kannst du zählen?
Romantisch?
Sag du es mir.
Schlange stehen?
Gibt es einen Weg? Komme ich hoch!

Hab ich Sonnenaufgang gesagt? Natürlich habe ich auch hunderte Bilder geknipst, hier ein Paar der besten:


Nach einem Monat gab es einige kleine Auseinandersetzung mit unserem Host, welche vor allem Aly zu schaffen machten. Was auch immer wir taten, es war nie gut genug. So entschlossen wir uns für den nächsten Monat eine neue Bleibe zu suchen und fanden schließlich eine außerordentlich billige Option für 90 Dollar pro Person per Monat mit eigenem Garten und Küche. Ab und zu mussten wir diesen Platz noch mit anderen Vietnamesen teilen, meistens nur übers Wochenende. Unter der Woche war es hier wunderbar ruhig und friedlich.

In den letzten Wochen meines Aufenthalts habe ich mich mehr oder weniger intensiv mit der Aufgabe beschäftigt, all mein Equipment wieder auf Vordermann zu bringen. Durchs Internet habe ich ein Hostel gefunden, welches eine Nähmaschine hatte und mir diese zu Verfügung stellte. Der Raum unter dem Dach wurde für ein paar Wochen mein zweites zu Hause. Auch konnte ich mir einige kleine Sachen bestellen, um meinen Tagesablauf für die Zukunft weiter zu optimieren. Eine kleine Handyhalterung für die Navigation. Ein 250 Gramm Moskito Zelt, welches ich in heißen Nächten aufstellen will, denn mein Hauptzelt ist definitiv nicht für diese Temperaturen ausgelegt. Die letzten paar Tage schwitze ich schon nur, wenn ich drin saß, ohne etwas zu tun. Und zuletzt habe ich mir ein brauchbares Stativ gekauft. Denn das Filmen der Motorradreise hat mir doch mehr Spaß gemacht als erwartet und vor allem das spätere Wiederansehen. So habe ich beschlossen nun auch das Gleiche mit dem Fahrrad zu versuchen. Nicht im Style als Videoblog, wohl mehr einfach als visuelle Unterstützung zu meinem Blog. Denn beides zu tun, wäre wohl bisschen zu viel Arbeit. Mal sehen, wie sich das ganze entwickelt. Danke an Nick und Brew and Breakfast für die Gastfreundlichkeit.


Wenn ich nicht im Brew war, würde ich ins Gaminghouse gehen, welches nun auch schon seit einigen Wochen wieder geöffnet ist. Gamen verbindet, denn ich habe einen Deutschen kennengelernt, mit welchem ich die meiste Zeit dort abhängte. Auch war ein Mitarbeiter vom Brew ein begeisterter Zocker, so waren wir manchmal zu dritt dort. Was mir unklar ist, wie so ein Raum nur 7000 Dong pro Stunde kosten kann. Dieser Betrag ist so klein ich muss es Hochskalieren, um eine brauchbare Größe zu bekommen. 4 Stunden Gamen (24000 Dong) kostet gerade mal einen Dollar. Und die Rechner sind top aktuell. Gebogene Monitore, große Headsets und bequeme Stühle. Auch kann man Essen vor Ort bestellen, was aber im Vergleich zum Rest schlechter ausfällt.

Da die Situation Mitte Mai bezüglich Corona ziemlich relaxed war und in Ho Chi Min sogar wieder Socialdances stattfinden sollten. Beschloss ich einen kurzen Trip dorthin zu machen, denn ich wollte sowieso noch einige Sachen erledigen. So buchte ich einen Bus und fuhr für eine Nacht zurück in das Großstadtchaos. War dann aber auch froh wieder zurück zu sein. Ohne Klimaanlage lässt es sich dort im Moment nicht über längere Zeit aushalten.

Es gab auch einen kleinen Liveauftritt von mir.


Es war natürlich nie geplant so lange im Vietnam zu bleiben und mein zuerst viel zu großzügiges 3 Monats Visa würde langsam aber sicher ablaufen. Deswegen sollte es verlängert werden, denn die Grenzen würden wohl erst gegen Juli wieder öffnen, wenn man irgendwelchen Gerüchten glauben schenken konnte. Nun hat sich der Vietnam im Gegensatz zu allen umliegenden Ländern die Aufgabe gestellt, möglichst von dieser Situation zu profitieren und die Visapreise drastisch erhöht. Was einmal 10 Dollar pro Monat gewesen war, ist nun um die 100 Dollar. So musste ich für meine drei Monatsverlängerung etwa 280 Dollar hinblättern. Alle anderen Ländern hatten in dieser Umgebung Gratisverlängerungen von mehreren Monaten gegeben. Na ja nicht ganz fair aber was soll man tun.

Und nun würde meine Zeit in Dalat zu Ende gehen, alles ist repariert, geputzt und bereit für neue Abenteuer. Aufgrund meines nun bis 20. August anhaltendes Visa und geschlossenen Grenzen, habe ich beschlossen wieder in den Norden zu fahren, denn der Süden hat für mich außer Hitze und Flache Landschaften nicht viel zu bieten. Der Norden konnte ich aber noch nicht zur Genüge erkunden. Gibt sicher auch einige Berge wo ich Hochklettern kann. Schließlich habe ich jetzt ja mein Rucksack dabei. Ein komisches Gefühl. Habe ich mich nun in 2 Monaten an Dalat gewöhnt, kenne meine Lieblingsorte und habe es auch genossen hier zu sein. Aber trotzdem ist es wohl nun Zeit, da alles bereit ist weiter zu ziehen und zu sehen was Hinter dem nächsten Hügel verborgen liegt. Mehr über meine ersten Radtage nach 3.5 Monaten Pause im nächsten Blog.

Zum Abschluss noch einige Bilder von Dalat am Abend:

2 Kommentare zu „Gestrandet in Dalat

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  1. unvorstellbar dass du immernoch unterwegs bist (bzw wieder) und dass es offenbar auch noch weitere Reisende gibt, die auch im Land geblieben sind. Ich finde es mittlerweile ganz entspannt in Deutschland zu sein und ich hätte deine Ruhe nicht aber finde es total beeindruckend, dass du wieder aufbrichst!

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    1. Hehe, für mich wäre es unvorstellbar zuhause festzusitzen. Denn in meinem kopf schwebt seit langem die idee von portugal zurück zu fahren und auch wieder zuhause zu sein ohne freunde zu treffen oder tanzen zu gehen macht keinen sinn, ich könnte nicht einmal arbeiten gehen

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