Klettern und Loopen.

Koan Kaen (Thailand) – Thakhek (Laos)

Tag 329 – 348

Kilometer 14876 – 15608

In Khon Kaen bin ich bei einer Thailänderin untergekommen. Ein bisschen ausserhalb der Stadt auf einer kleinen Farm. Mit 6 Hunden 10 Katzen, Hühner, Vögel und sogar einen Büffel hatte Jicki in ihr Leben integriert.

Ich verbachte dort einige Tage um zu entspannen und in der Stadt einige Kleinigkeiten einzukaufen. Neue Gitarrensaiten, eine Speicherkarte und Kopfhörer standen auf meiner Liste der Besorgungen.

Pianokonzert von einer Freundin von Jicki.

Mein Weg würde mich weiter führen zurück nach Laos Richtung Thakhek, dort gab es einen berühmten Loop den man fahren könnte. Um die 400 Kilometer entlang von Höhlen, Wasserfällen, Seen und Berge. Es gab sogar eine Stelle wo es einen 7 Kilometer lange Höhle auf einem Schiff zu durchqueren gab. Das wollte ich mir ansehen.

Was ich unterschätz habe sind die Temperaturen hier. Meistens klettert das Thermometer durch den Tag auf über 30 Grad. Dazu kommt noch einen erhöhte Luftfeuchtigkeit, als noch in Zentral Asien, wo das Klima zwar auch heiss war, aber nicht feucht. So fühle ich mich meistens schlapp und das Fahren ist mehr ein Kampf, als ein Genuss. Dazu kommt das ich seit mehreren Wochen gefühlt immer Gegenwind habe und da ich trotzdem viele Distanz mache spüre ich seit langem mal wieder meine Knie. Also irgendwie nicht so glücklich machend die Situation im Moment. Ich verspüre Verlangen wieder in die Berge zu kommen. So auf 2000+ Meter. Nur werde ich dies hier nirgends finden. Denn meistens ist es flach und die einzigen Berge die es gibt sind nur einige hundert Meter hoch. Mein Plan war das ich nach Bangkok eigentlich weiter in den Süden fahren würde, durch Malaysia, Indonesien über Bali nach Australien. Aber noch einige Monaten mehr in solchen tropischen Verhältnissen zu fahren stimmt mich nicht gerade positiv. Oder zumindest die Idee dadurch mit dem Rad zu fahren. Irgendwo bisschen zu bleiben ohne Körperliche Aktivitäten ist eine ganz andere Sache und auch angenehmer. Deswegen bin ich mir am überlegen, wie ich meine Reise fortsetzen will und es gibt natürlich auch schon mehrere Pläne. Es ist eine spannende Phase für mich, denn bis jetzt gab es eigentlich nie die Situation wo ich das Gefühl hatte, Etwas müsste geändert werden. Ich stelle euch hier meine Ideen vor:

Idee 1: Europa

Ich könnte wenn ich im Mai Bangkok erreiche zurück nach Portugal fliegen, oder auch durch Russland mit dem Zug und von dort im Europäischen Sommer einen Trip machen für ein paar Monate um noch Leute zu besuchen welche ich auf meiner Reise kennen gelernt habe. Ebenfalls habe ich vor meine 220 restlichen Militär Diensttage in Zivildienst umzuwandeln und z.B. einen Teil davon auf der Alp abzuverdienen. Ich suche etwas wo ich auf dem Betrieb leben kann, denn ich habe kein Interesse wieder eine Wohnung zu haben. Denn durch diese Art des Leben und Arbeiten könnte ich mir gerade wieder Geld verdienen um erneut danach auf Reisen zu gehen. Denn nur mit der Ersparnis von der Miete könnte ich schon wieder fast ein Jahr unterwegs sein. Dazu kommt noch das ich keine Ausgaben für Essen und Versicherungen hätte. Was mich an diesem Plan stört ist das ich eigentlich die Schweiz und die Menschen dort noch nicht vermisse und wohl auch nicht schnell grossartig werde, das heisst es besteht eigentlich kein Grund schon zurück zu kommen. Dies führt zu meinem zweiten Plan.

Idee 2: Workaway

Was mir sicherlich gefallen würde irgendwo mal einige Monaten zu bleiben um zu arbeiten, oder zumindest für Kost und Unterkunft bezalt zu werden. So könnte ich meine Ausgaben auf ein Minimum beschränken, also die Zeit des Geldverlust stoppen, welcher mich irgendwann zwingen wird wieder in irgend ein normales Leben zurück zu gehen. Dies könnte ein Hostel sein oder auch ein Felskletteranlage. Zweites wäre wohl besser, denn so hätte ich auch was zu tun, um mich zu verausgaben, denn zulange an einem Ort nichts zu tun, macht mich nicht glücklich. Oder es könnte auch in einer Stadt sein mit einer aktiven Tanzszene. Danach könnte ich gegen Ende Jahr Richtung Nepal, Indien und Pakistan aufbrechen um in der Idealen Zeit in die Höhe zu starten. Denn für eine solche Route habe ich mittlerweile keine Zeit mehr in diesem Jahr, denn die Berge im Pakistanischen Gebirge geben nur ein kleines Zeitfenster zur Verfügung, wo sie passierbar sind, denn die Höchsten Pässe sind um die 5000 Meter. Über China könnte ich zurück nach Kirgistan und von Bischkek z.B. einen Zug nach Moskau nehmen. Und so zurück nach Europa kommen.

Idee 3: Wieso nicht mal fliegen?

Nach dem ich Anfangs Mai in Bangkok angekommen bin, könnte ich wie schon wie in Idee 2 Richtung Indien und Nepal fahren. Diesmal aber nicht im Frühling Sommer, sondern im Sommer Herbst. Da es mit aber nicht reichen wird die Pässe in Pakistan zu fahren und es zurzeit keine vernünftige Alterative gibt. ( Süden Pakistan ist bei der Grenze zu Afghanistan unsicher) Könnte ich im September / Oktober einen Flug von Neu Delhi nach, Bolivien, Peru, Chile nehmen. Um die Anden von Norden nach Süden zu durchqueren und so den Sommer dort auszunutzen. Auch würde ich so für ein paar Wochen Indien sehen, wo ich mir ziemlich sicher bin das es mir nicht gefallen wird, aber wenn man schon mal dort ist, kann man ja vorbei schauen. Und z.B. auch die Züge für schneller Verbindungen benutzen.

Für was ich mich auch immer entscheiden werde ist noch nicht sicher und auch sind die Ideen allgemein viel zu lang, denn sie strecken sich Teilweise über ein Jahr und das will doch nicht jetzt entscheiden müssen. Ich werde mich immer für eine Teilstück entscheiden und dann weiterschauen was ich jetzt will.

Dies ist aber alles Zukunftsmusik, mittlerweile stehe ich wieder am Mekong, nur diesmal auf der Thailändischen Seite und blicke über das Wasser nach Laos. Da will ich hin. Was ich bereits befürchtet hatte war eingetroffen, ich durfte nicht mit den Lokals mit den Booten einreisen sondern würde über eine der «Laos – Thailand Freundschaft Brücken» fahren. Welche aber nochmals 10 Kilometer entfernt war.

Träume ich oder wache ich?

Grenzbrücke Thailand – Laos.

Dort angekommen fuhr ich frohen Mutes auf die wieder mal überdimensionierten Grenzgebäude zu, um mich der Prozedur des Landeswechsels zu unterstellen. Nun musste ich aber feststellen, das die Thailändische Laotische Grenze, die erste Grenze auf meinem Trip ist, wo es nicht erlaubt war diese mit dem Rad oder zu Fuss zu überqueren. Denn dies sei zu gefährlich. Es handelt sich um eine Zweispurige Brücke welche über den Mekong führt. Nun haben die netten Menschen keine Fussstrecke etc in die Dimensionen eingeplant und dachten es sei eine bessere Lösung, alle Zweibeiner und Zweiräder dazu zu verdonnern einen Bus zu nehmen.

Grundsätzlich habe ich seit China ein Problem mit Beamten, welche für mich offensichtliche dumme Vorschriften durchsetzen müssen. Meinen Unmut über diese Situation habe ich dem Herren auch „freundlich“ mitgeteilt. Auch hasse ich es für Dienstleistungen zu bezahlen, welche ich ohne Probleme selber erledigen kann. Z.B. 200 Meter über eine Brücke fahren. Und auf die Frage wann den der nächste Bus fahren würde. meinte er nur in ein paar Stunden, aber dies sei schliesslich nicht sein Problem. Was für ein Stück Scheisse. Meinen Frust an einem Wachhund ausgelassen, welcher das Gefühl hatte er müsste bellen als ich ihn passierte sammelte ich mich schnell wieder und stoppte einen Pickup der auf das Grenzgebäude zufuhr. Meine Idee war nun mein Rad einfach dort unterzubringen und so die Grenze zu überqueren.

Der Fahrer willigte ein und wir luden das Rad auf die Ladefläche. So kamen wir zurück zur Grenze. Der Beamte war sichtlich gekränkt, dass ich sein dummes System offensichtlich hintergehe und jetzt nicht ein paar Stunden hier Sinnlos warten würde. Aber auf irgendwelche neuen Diskussionen würde ich mich nicht nochmals einlassen. Und so durfte ich dann schneller als geplant die Grenze überqueren.

In Thakhek angekommen hörte ich über ein „Green Climbers Home“, welches einer der schönsten Orte für Felsklettern in Laos ist. Und aus einer Spontanität heraus, buchte ich einen Kletterkurs, denn mal die Grundlagen des Klettern mit Seils zu verstehen, war schon seit längerem eine Idee, welche in meinem Kopf herum schwirrte. Und wo würde ich das günstiger lernen als hier in Laos. Ich wollte auch das beste aus diesem einen Tag herausnehmen und buchte deswegen einen Kurs für mich alleine. So würde zwar mehr Geld ausgegeben werden, aber die Chance das ich auch mehr Infos bekommen würde, war gross. So zumindest in meinem Kopf.

Was geplant war, ist auch geschehen. In einem Tag lernte ich Kursmaterial, von zwei bis drei Tagen. Die zwei Herren welche meine Lehrer waren, erkannten mein Potenzial und verweilten nicht lange beim simplen „Toprope“ Klettern, sondern zeigten mir nach einer Runde die Techniken für „Lead-Klettern“.

Eine Kurze Erklärung der zwei Begriffe:

Beim Toprope Klettern ist das Seil bereits durch den Höchsten Anker gezogen. Und der Kletterer wird daran befestigt. Auch muss er keine Karabiner mehr in die Wand anbringen und bei einem Fall, kann er auf selben Höhe gestoppt werden. Diese Art zu klettern macht Sinn, wenn man in neue Schwierigkeitsgrade vordringt. Durch das Seil kann man auch bisschen nach oben gezogen was, schwierige Manöver einfacher machen kann. Und bei nicht vollenden einer Route, muss niemand die Sache danach säubern. (Die Karabiner von der Wand hohlen, dafür muss man die Route zu Ende Klettern)

Das jemand aber Toprope Klettern kann, brauch es den Leadclimber. Welcher die Route zum ersten mal bestiegt und die Karabiner zur seiner Sicherung abringt. Denn in dieser Kletterart muss man über seine letzte Sicherung klettern und im Falle eines Sturzes, fällt man unter die letzte Sicherung hinunter. Das kann schon bisschen angsteinflössend sein, gerade bei den ersten Fallübungen. Aber mit der richtigen Technik, ist das Ganze eigentlich kein Problem. Aber trotzdem sei Vorsicht geboten, denn fürs Fallen braucht es einige Meter Freiraum unter dir. So bringt dir auch kein Karabiner etwas wenn du 3 Meter über deinem letzten Sicherungspunkt bist, stürzt und ungebremst in das Start oder Zwischenplateau knallst. Nicht das es passiert wäre, aber es ist besser nicht überall zu fallen.

Aus einem geplanten Tag wurden drei und eine Begeisterung für Klettern entstand in meinem Körper. Auch wenn ich schnell an mein Limit kam, denn meine Arme sind nicht wirklich trainiert im Vergleich zu meinem Beinen und auch war ich meistens in Routen unterwegs welche ein bisschen zu schwer waren und so konnte ich nie das Klettern zur volle geniessen, sondern war eher in meinem kleinen Überlebungskampf an der Wand.
Nach drei Tagen Kampf entschied ich mich den Loop zu machen, denn weiter hier bleiben würde keinen Sinn machen, denn meine Arme waren erschöpft nach einer Route, welche vielleicht 20 Minuten dauert.

Toprope 5c+

Leadclimbing. 6a

Kleine Lindytanzsession.

Wenn man nicht richtig fällt und den Sturz mit dem falschen Körperteil abbremst.

Dies ist ein sogenanntes Highrope. Trainierte Leute können darauf umhergehen und Tricks machen. Das Band ist etwa halb so breit wie eine Slackline.

Abendliches zusammensein am Lagerfeuer.

Dieser 300 Kilometer Loop war das erste mal auf dieser Reise, wo ich bewusst einen „Umweg“ fahren würde. Und nicht wie sonst immer weiter. Und schnell stellte sich das Gefühl ein: Was mache ich eigentlich hier? Will ich überhaupt die Natur sehen? Wieso gehst du nicht weiter, dass ist doch Zeitverschwendung. Wirklich super geniessen konnte ich die Zeit nicht, irgendwie war es für mich Sinnlos. Noch mehr Wasserfälle, eine neue Höhle… Ein Highlite gab es aber trotzdem, denn dort gib es eine 7 Kilometer lange Höhle, welche mit Booten durchquert werden kann. Und auch das Fahrrad fand Platz auf diesen, dass war ganz nett.

Das hat mir mal wieder aufgezeigt, dass ich eigentlich nicht unterwegs bin um die Welt zu sehen, sondern viel mehr um meinem Freiheit zu geniessen. und zu tun und lassen was ich will. Denn die Menschheit sieht Reisen als legitimen Zeitvertreib an um nichts zu tun. Und irgendwie mach ich das doch auch, ich reise umher um Essen und Trinken zu finden und nebenbei fahre ich um die Welt.

Wunderbare Kiesstrasse.

Free Solo Stein.

Was guggste?

Was guggste? 2

Öffnung Konglor Höhle.

Zurück von Loop blieb ich nochmals drei Tage im Kletterparadies bevor ich weiter ziehen würde.

Meine Leistungen in der Übersicht:

Leadclimb -> 5b und 5b+
Toprope -> 5c, 5c+ und fast eine 6a

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