365 Tage unterwegs!

Am 03.03.2019 bin ich Toffen gestartet und nun schon seit einem Jahr unterwegs. Wer hätte es gedacht? Ich? Jein. Ich habe mir nie diese grosse Gedanken gemacht. Nur von Tag zu Tag gelebt, oder von Grenze zu Grenze. Also meistens maximal eine bis zwei Wochen im voraus geplant. Und so vergeht die Zeit schnell, das Neue wird zur Routine und die Kilometer fliessen unter mir hinweg.

Ich schliesse dieses erste lange Jahr des Radfahrens in Ho Chi Min (Vietnam) mit einer Woche chillen und Wartungsarbeiten ab. Danach geht es ohne Fahrrad Richtung Norden nach Hoi An, für ein Tanzfestival und später für 2 Wochen mit dem Rucksack durch die Berge oder zu einer Felskletter-Insel, mal sehen wo es mich hin verschlägt. Um meine Fahrradauszeit abzuschliessen werde ich mir 30 Tage lang ein Motorrad mieten und so zurück nach Ho Chi Min fahren, wo ich mein Fahrrad und Equipment lagern werden.

Nach diesem Ausblick ist es nun aber Zeit zurück zu Schauen auf ein erlebnisreiches Jahr, einige der Highlites im Kopf durchzugehen und mit einigen Statistiken um mich zu werfen. Ich wünsche viel Spass mit dieser Zusammenfassung:

Übernachtungen:

Wenn man ein Jahr unterwegs ist heisst das auch das man meistens jedem Tag an einem neuen Ort schläft. Dies ist in verschiedenen Varianten möglich:

Wildcampen: 184

Es war gegen Ende der Türkei, wo ich mit Gaetan und Oli unterwegs war und wir in die Nähe des Bergs Ararat kamen. Eine massive Wand von über 5000 Meter auf einem 2000er Plateau. Wir beschlossen diese Nacht ohne Zelt zu schlafen und fanden einen Wasserspeicher wo wir eine gerade Fläche hatten und einen guten Blick zum Berg. Später am Abend kam ein starker Wind auf welcher durch die ganze Nacht an unseren Sachen rüttelten und das Schlafen nicht gerade einfach gestaltete. Es fühlte sich an als ob man die ganze Zeit geschüttelt werden würde. Wir mussten unsere Schlafsäcke gegenseitig festhalten, da sie sonst einfach weggeflogen wären. Ich war froh als die Nacht vorbei war. Am nächsten Tag sind wir zusammen in den Iran eingefahren.

Meine erste Nacht in Peking verbrachte ich neben einer Wiese in einem Kanal, da ich kein Hostel gefunden hatte, oder nur überteuerte Schlafmöglichkeiten.

In Kirgistan hatte ich eines Abend das Gefühl, dass Jemand hinter mir stehen würde. Dies war aber nahe zu unmöglich, den ich befand mich mitten in einem Tal, welches nur zu Fuss begehbar war. So war ich den ganzen Abend auf unangenehme Art nervös und schaute mich immer wieder um. Erst als ich dann in meinem sicheren Zelt war, konnte ich entspannen.

Dazu kommen viele wunderschöne, friedliche und ruhige Wildcampingplätze. Teilweise auch nicht ganz so ruhig und nur wenige Meter neben der Strasse.

In Laos habe ich einmal Versucht auf dem Dach einer verlassenen Baustelle zu schlafen, wurde dann aber vom Security Dude noch entdeckt. Er liess mich dann aber immerhin im Baustellengarten mein Zelt aufstellen.

Campingplätze: 6

Nur gerade 6 mal habe ich für mein Zelt aufzustellen bezahlt. Ausserhalb von Europa sind Campingplätze aber auch kein Ding. Und die letzten zwei mal war ich nur zu geizig mir ein teureres Zimmer zu leisten.

Hostel und Hotel: 36

Es sollten 7 Hotels sein und 29 Hostels. 6 Davon waren meine ersten Übernachtungen in Europa, dort hatte ich in den ersten Tagen viel Regen und Schnee, auch war ich noch nicht so auf vereinfachte Körperhygiene getrimmt wie ich es jetzt bin und alle zwei Tagen Kleider waschen und Duschen war schon ein wichtiges Ding. Dort lies ich 50 Euro pro Nacht liegen, schon fast Utopisch für mein heutiges Ich, soviel Geld für Übernachtungen auszugeben.

Selbstorganisierte Häuser: 8

Darunter fallen zum Beispiel ein Bauerhaus in der Schweiz oder ein Nachtclub in Bosnien oder eine verlassene Schule im gleichen Land. Nicht immer die angenehmsten Orte zum schlafen, fühlte sich manchmal etwas komisch an.

Einladungen: 13

13 mal musste ich nichts organisieren wo ich schlafen würde, sondern wurde meistens auf der Strasse angesprochen und danach eingeladen. Viele davon in Iran.

Couchsurfing und Warmshower: 10

Ab und zu ist es auch schön direkt bei Locals zu bleiben, dafür gibt es zwei Plattformen Couchsurfing und Warmshower. CS ist mehr für Backpackers ausgelegt und WS für Fahrradfahrer. Die beiden Plattformen sind aber deutlich unterschiedlich. Ein Couchhost hat meistens das Gefühl das es wichtig ist mit dir Zeit zu verbringen, hingegen weiss ein Shower Host, dass du eigentlich nur wissen willst, wo die Dusche ist und die anderen wichtigen Sachen und lässt dich wenn gewünscht mehr in Ruhe. Denn du hast schon genug damit zu tun, dich wieder neu zu Organisieren. Im Moment bevorzuge ich Hostels, denn dort bin ich nicht verpflichtet gegenüber Jemandem.

So habe ich an 257 verschiedenen Plätzen übernachtet.

Etappen und Distanzen:

Insgesamt bin ich 15’240 Kilometer in 237 Etappen gefahren. Dies ergibt einen Durchschnitt von 64 Kilometer pro Fahrtag.

Längste Etappe ist immer noch die Einfahrt nach Istanbul mit 140 Kilometer und die Kürzeste war 7 Kilometer in Italien.

Über die Höhenmeter habe ich keine Statistik geführt. Ich bin mir aber sicher das es genug waren.

Temperaturen:

52.5 Grad in Turkmenistan Anfangs Juli. Minus 10 Grad auf 2200 Meter in China Ende November.

Geplante Verkehrsmittel:

Ich habe zwei Züge in China genommen und so Distanzen von 2’800 und 1’800 Kilometer bewältigt.
Dazu kommen zwei Busse, einen in der Türkei für 1’000 und in Laos für 335 Kilometer.

So habe ich mich insgesamt 21’115 Kilometer auf dieser Erde über den Landweg bewegt.

Nicht geplante Verkehrsmittel:

Um die 10 Fähren für Flussüberquerungen aller Grössen. Sei es in Istanbul, oder Irgendwo in Laos.

Ein Tanklastwagen in der Türkei wo wir zu Dritt unsere Fahrräder verstauen konnten.

Normale Personenwagen, Pickups und kleiner Lastwagen.

Ich musste im Iran sogar einmal einen Skilift benutzen um über einen Berg zu kommen wo die Strasse zerstört war.

Auch ganz praktisch ist sich an «langsame» Lastwagen etc zu hängen, gerade wenn es hoch geht eine gute Entlastung für die Beine. Oder auf langen gut ausgebauten Hauptstrassen.

Fragt mich nicht wie diese Bilder entstanden sind 😉

Unfälle:

Ein paar selbstverschuldete Stürze auf Kies, Sand und Schlamm Strassen. Und noch mehr Standstürze. Zum Beispiel wenn der Boden zu schlecht war um das Gewicht des Ständers zu tragen.

Eine Kollision mit einem Roller in China. Eine Kollision mit Fahrradfahrerin in Peking. Eine Autokollision in Mashhad in Iran.
Alle diese Umfälle verliefen aber glimpflich und die Kratzer heilten schnell.

Defekte und Ersatzteile:

Insgesamt habe ich 3 Bremsklötze gewechselt. Meine Hinterradfelge musste in Kirgistan ersetz werden, weil sie viele kleine Risse hatte. Das linke Pedal hatte einen Kugellagerbruch und auch da rechte hatte sich auf eine Art verabschiedetet, welche ich nicht für möglich gehalten hätte. Insgesamt habe ich um die 4 Ketten benutzt.
Total hatte ich um die 6 Platten, alle in Iran und Turkmenistan. Was für eine solche Länge doch eher wenig ist.

Erste Platte in Iran.

Verletzungen und Krankheiten:

Nach einer Woche hatte ich einen Infekt im rechten Mittelfingen. Dieser schwoll an und musste in einem Krankenhaus aufgeschnitten werden um den Eiter auszudrücken. Da dachte ich mir noch, dies fängt ja gut an.

Sonst kommen nur noch Schürfwunden von Stürzen und einige Schrammen von Hering einschlagen dazu.

Ich habe mir auf dieser Reise ca. 5 mal so richtig mein Leben ausgekotzt und geschissen. Das erste mal in Kroatien und die Hauptsaison dafür war zwischen Turkmenistan und China.

In der Mitte von Kambodscha verspürte ich ein unangenehmes Stechen in der linken Lunge. Welches über mehrere Tage anhielt. Auf Rat einer Freundin, welche Ärztin ist, habe ich min in Ho Chi Min checken lassen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schmerzen aber schon weg. Fazit ich bin ein sehr fitter Mensch mit guten Herz- und Pulswerten. Diese Schmerzen müssen aber nicht zwingen tragische Gründe haben, es kann sich auch nur um einfache Muskelschmerzen handeln. Ich beobachte die Situation und würde bei wieder eintreffen mich erneut Kontrollieren lassen. Hier in Vietnam gibt es dafür auch gute Möglichkeiten.

Länder:

Ich habe 23 Länder durchquert. Dafür benötigte ich 8 Visas:

Iran, Turkmenistan, Tadjikistan, China, 2x Laos, Kambodscha, Vietnam.

We are the Champions – Queen:

Ich habe diesen Song als Belohnung für verschiedene Etappenziele benutzt. Es ist schon ein sehr geiles Gefühl, mit offenen Armen, schreiend in einen neuen Teil des Weges einzufahren:

Grenzüberquerung:

Griechenland – Türkei, Türkei – Iran, Turkmenistan – Uzbekistan, Kasachstan – China und Laos – Thailand

Stadteinfahrten: Peking, Kunming und Ho Chi Min.

Besondere Anlässe:

2x Wanderroute Bezwingung Kirgistan wo definitiv kein Fahrrad hingehörte.

Verbrauchsmittel:

2x Sonnencreme
5x Zahnpasta
3x Zahnbürste

Wetter:

Bis zu 50 Grad.

Regen ohne Ende.

Schnee!

Aber auch perfekte Bedingungen.

So ich glaube es ist Alles gesagt. In den nächsten Tagen gibt es noch das Update Khon Kaen nach Ho Chi Min. Ich hatte einfach gerade mehr Lust darauf, diesen Beitrag zu schreiben.

Whatever happens, keep smiling. 🙂

Das ist übrigens Gaetan, wir haben uns zwischen Split (Kroatien) bis Urumtschi (China) etwa 8 Mal gesehen.

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