Von Weltenbummler und Radküken

Luang Prabang (Laos) – Koan Kaen (Thailand)

Tag 308 – 329

Kilometer 13928 – 14876

Wie schon am Ende des letzten Beitrages erwähnt, fahre ich jetzt mit Manu von Frankreich einige Tage zusammen in Richtung Thailand. Denn ich fühlte mich das erste mal nach mehreren Monaten alleine sein, ein bisschen einsam. Und hoffe das mir Gesellschaft mal wieder gut tun würde.

Doch schon nach wenigen Tagen fühle es sich als wäre Manu ein Parasit in meinem Imunsystem, plötzlich musste wieder alles abgesprochen werden, wo machen wir Pause, was essen, wo schlafen und welche Strasse, konnte nun nicht mehr spontan durch mich entscheiden werden. Sondern muss zu zweit beschlossen werden. Nicht das es grossartig kompliziert gewesen wäre, denn wir waren beide schon solange unterwegs und waren sehr entspannt. Und wir hatten auch die selbe Geschwindigkeit im Durchschnitt, was Ganze grundsätzlich angenehm machte. Aber trotzdem war mir die ständige Gegenwart von jemandem dann doch zu viel, ich fühlte mich nicht mehr entspannt am Abend, wollte nicht unbedingt ein Gespräch führen, oder seinen Geschichten lauschen.

Ich wusste von Anfang an dass dieser Moment kommen würde und zwar eher schnell als langsam. Und habe das Manu auch mittgeteilt, so das es fair sein würde für beide.

Abundzu ist eine Mitfahrgelegenheit für ein paar Kilometer auch was ganz gutes.

Typischer Markt in dieser Regionen. Hier findest du alle Gemüse, Kräuter, einheimische Snacks und Fleisch welche du dir vorstellen kannst.

Mekong Fluss. Oder vielleicht schon fast ein sehr langer See.

Übertrieben grosses Grenzgebäude. Für fast keine Grenzgänger. Aber der erste Eindruck zählt?

Es gibt keine schöne Lösung für einen Spurwechsel, hier fahrt aber sozusagen kein Verkehr, deswegen ist das nicht so Problematisch.

Siehst du die Landesgrenze?

So sind wir zusammen von Luang Prabang nach Thailand gefahren. Und nach einer Woche trennten sich unsere Wege wieder. Die ersten Stunden alleine waren etwas gewöhnungsbedürftig, als hätte ich in dieser Woche vergessen wie man alleine Unterwegs sein kann, doch dann stellte sich das alte Gefühl wieder ein und ich konnte es wieder geniessen.

Mittlerweile hatte ich Probleme mit meinem Zelt, denn der Reissverschluss liess sich nicht mehr richtig schliessen. Ständig öffneten sich die Zacken und so war auch das Tor für die Moskitos geöffnet. Nur hatte das in den letzten Tagen keine Rolle gespielt, da ich keine getroffen habe. Mein Schicksal hat mich aber in ein Reisfeld geleitet, welches natürlich Unmengen an stehendem Wasser beinhaltete und dazu tausende Moskitos. So viele das ich keine Lust mehr hatte draussen zu Essen, diese Nacht war aber auch noch unverhältnismässig heiss und so schwitze ich mir einen ab, währenddessen ich versuchte heisse Pasta in mich hinein zu stopfen. Plus war mein Zelt kein Schutz mehr vor den lieben Fliegen.

Sehr indüllischer Platz. Einfach viel zu heiss und mit tausenden Moskitos.

So hatte ich zur Auswahl, in meinem eigenen Schweiss zu baden und einige Kleider anzuziehen, oder ständig das Gefühl zu haben gestochen zu werden. Ich entschied mich für die zweite Option und war sehr froh als die Nacht vorüber war.

Nun war aber klar, dass in der nächsten Stadt mein Zelt Problem gelöst werden müsste bevor ich weiter ziehen würde. Und tatsächlich löste sich dieses Problem innert wenigen Stunden, denn ich fand ein Shop welcher für 4 Dollar alle meine Schiffchen ersetzte, sogar mit der gleichen Marke und seitdem habe ich keine Probleme mehr und alles läuft smooth wie neu. Mittlerweile habe ich mich an diesen Zustand gewöhnt, aber die ersten Tage hatte ich sehr Freude daran an dieser Veränderung.

Wieder in einem neuen Hostel unterwegs habe ich mich mit einer Deutschen angefreundet und wie ich bin habe ich sie mehr zum Spass aufgefordert mich doch für ein paar Tage zu begleiten. Nach einer Stunde feinster Überredungstechniken, konnte ich ihr das Statement abringen das sie eine Nacht darüber schlafen werde und sie es mir dann am nächsten Morgen sagen würde.

Und tatsächlich sagte sie zu, mich zu begleiten. Ich habe nicht damit gerechnet, was das anbelangt bin ich eher pessimistisch gestimmt, denn zu viel auf andere Menschen zu zählen und sein Glück davon abhängig zu machen, macht dich auch nicht glücklich. Umso schöner fand ich es dann, dass sie sich für diese Idee entschieden hatte. So musste nur noch ein Rad organisiert werden, und ein passender Rucksack um ihr Gepäck zu transportieren.

So machten wir uns auf den Weg. Unser Ziel würde um die 100 Kilometer entfernt liegen, eine grosse Buddhistische Tempelanlage, von dort würde Claudia dann wieder zurück fahren und das Hitchhiken ausprobieren. Denn diese Distanz ist ohne weiteres in einem Tag zu bewältigen, denn sobald sie alleine sein würde, hätte sie auch kein Zelt mehr um irgendwo draussen zu schlafen.

Mir war bewusst das wenn wir zusammen reisen, würde ich nicht mehr die Distanzen zurück legen, welche ich normalerweise überwinde. Weil mir das aber von Anfang an klar war und auch Claudia nicht müde wurde ihre Bedenkung kund zu geben, machte es mir nichts aus meine Vermutungen bestätigt zu sehen. Mehr noch entspannte mich ihre Gegenwart und liess mich gemütlich in den Tag leben. Denn ich wurde in meinen Fähigkeiten und Wissen bestärkt. Claudia meinte mal „ob ich denn immer so verpeilt sei.»

Verpeilt? Ich! (zornig) Ich glaube ich bin wohl am wenigsten verpeilt hier. Ich bin gerade in Urlaubstimmung und kann jemandem bei den ersten Schritten zuschauen. Natürlich bin ich da entspannt, wenn ich mich zurück erinnern darf wie es sich angefühlt hatte, die ersten Wochen hinter mir zu bringen. Und es nun damit zu vergleichen wie es sich jetzt anfühlt.

Die Tage vergingen schnell und ich führte Claudia in die Kunst des Radfahrens ein, Essen beschaffen, Schlafplatzwahl und Körperhygiene unterwegs auch Feuermachen und Stockbrot backen stand auf unserem Plan. Thailand ist aber auch ein wirklich einfaches Land um alle unsere Bedürfnisse zu stillen. Genügend Essen überall, meistens gute Strassen und alle 10 Kilometer findest du einen 7/11, einen Supermarkt welcher viele Süssigkeiten und Snacks verkauft. Ein wahrer Fahrradhimmel dieses Land.

Und so war der fünfte Tag angebrochen und der Tempel nach 125 Kilometer erreich, der Weg führe uns durch kleine idyllischen Strassen an vielen Wasserfällen vorbei und interessant aussehenden Brücken. Noch schnell eine Pickup organisiert, welcher sie zurück nach Phitsanulok bringen würde und ich war wieder alleine. Normalerweise brauche ich immer eine Zeit um wieder in den Mood zu kommen alleine zu sein, diesmal war dem aber nicht so. Obwohl ich die Zeit mir ihr genossen hatte. Die letzten Wochen waren sozial sehr intensiv gewesen. Soviel Kontakt zu Menschen hatte ich das letzte mal an der Grenze von der Türkei zu Iran. Oder in Peking, da bin ich aber nicht gereist, sondern stationär gewesen.

Diese kleine Brücken brachten uns mehrmals über die kleinen Flüsse.

Die Wasserfälle werden aktiv von den Einheimischen zum waschen aller Dinge benutzt. Sei das Wäsche oder auch Autos.

Wer sagt denn dasich Löcher im T-Shirt habe?

Erster Schlafplatz. Ausser dem Problem einer Ameisenepidemie, war es hier perfekt.

Wir hatten uns für eine kleine Strasse entschieden, welche dann zu einer Kiesstrasse wechselte. 600 Höhenmeter gab es zu bekämpfen. Möge die Kraft mit dir sein.

Das Ziel war erreicht.

Das hier war ein vegetarisches Buffet, basiert auf Spenden.

Ich kann auch nähen!

Meine überschüssige Energie, welche sich in den letzten Tagen aufgestaut hatte, konnte ich dann in den nächsten zwei Tagen auch wieder abbauen. 100 und 130 Kilometer weit haben mich meine zwei Räder gerollt.

Thailand ist übrigens das erste Land wo man auf der Linken Strassenseite fährt auf meiner Reise. Hat mich einige Tage gebraucht um mich daran zu gewöhnen. Auch habe ich das Gefühl, dass mein Kopf sich einfacher gegen Links drehen lässt, als gegen rechts. Wahrscheinlich liegt das an den 10 Monaten intensiven dehnen. (Schulterblick)

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