Im Land des Nebel, Pandas und Bambus. Teil 2/3

Nach einigen Tagen kam ich in Leshan an. Die Heimat des grössten Steinbuddhas der Welt. Eine Sehenswürdigkeit würde man meinen? Und Etwas was angesehen werden müsste. Ich war noch nie ein Fan von touristischen Attraktionen, heute würde ich aber eine Ausnahme machen. Zusammen mit Rene, einem Deutschen Weltradler, haben wir uns auf den Weg gemacht diese Statue und den dazugehörigen Park zu erkunden. Die Ernüchterung war gross, 80 Yuan soll der Eintritt kosten. Das sind um die 11 Dollar. Ein paar Tempel, Statuen und der grosse Buddha gab es zu sehen. Irgendwann gelangten wir zu einem Tor, wo uns noch weitere Sehenswürdigkeiten schmackhaft gemacht wurden. Dies würde aber nochmals 80 Yuan kosten. Hä? Haben wir nicht schon den Eintritt bezahlt, wieso müssen wir hier nun nochmals bezahlen? Naja ist halt so.

Diese ganze Situation stört mich an China. Es wird versucht von den Touristischen Attraktionen möglichst viel Geld zu häuschen. Überall wird Geld verlangt. Und dies nicht gerade zu wenig, im Verhältnis was der Rest so kostet. 80 Yuan für einen Eintritt, ist zwar für mich als Schweizer nicht unbedingt teuer, aber wenn ich ein bisschen auf mein Budget schauen wird, summieren sich alle diese Möglichkeiten dann schon hoch. Für 20 Yuan bekomme ich hier in einem Restaurant eine Mahlzeit mit Getränk. Ein gleichwertiger Preis in der Schweiz, währe ca. 10-15 Franken. Das würde dann heissen, ein Parkeintritt in der Schweiz würde 40-60 Franken kosten. Da frage ich mich dann schon, bezahle ich nun um eine Statue zu sehen 4 ganze Mahlzeiten? Auch finde ich es persönlich mühsam, bei solchen touristischen Attraktionen mit so vielen Menschen in ein Käfig gepfercht zu sein. Fazit zu diesem Thema: War ganz nett, würde ich aber nicht nochmals besuchen. Mir persönlich bedeutet dieses Abarbeiten der Highlites eines Ortes auch nicht. Ich bekomme schon einen kleinen Würgreiz, wenn ich irgendwelche Blogs lese, wo mir erklärt wird was ich wo sehen muss und wie ich dies möglich effizient abklappern kann. Die Vorstellung dafür noch eine Unmenge an Geld zu bezahlen macht es nicht besser.

Es gab auch die Möglichkeit mit dem Schiff dort hinzufahren um ein Foto zu machen.

Noch ein kleines Wort zu Rene. Er ist um die 40zig und hat sich wie ich entscheiden, mit dem Rad zu reisen. Das Rad zu nehmen, setzt den Schwierigkeitsregler natürlich schon auf Schwer. Er hat sich aber entschieden noch einen drauf zu setzten. Denn er fährt auch ohne Technik. Kein Smartphone, kein Computer, Navi etc. Er reist nur mit Karten. Was das ganze noch deutlich erschwert. Keine GPS, kein Übersetzer und noch 100 weitere „Nachteile“. Er nimmt die Welt sicher nochmal ganz anders war, denn er ist regelmässig auf die Hilfe von Einheimischen angewiesen, denn z.B. wenn er in eine Stadt kommt, kennt er nicht die Möglichkeiten wo man jetzt übernachten könnte. Und auch China macht es ihm nicht einfach, denn durch die starke Zensur im Internet, kann er nicht mal die gängigen Webseiten besuchen, wenn er mal in einem Internetcafé sitzt. Sein Glück das er nicht ein Google basierendes Mailkonto besitzt. So kann er immerhin mit seinen Verwandten kontakt haben.

Durch das Zusammentreffen mit Rene, hat sich mein „Plan“ um einen Tag verschoben und es war schon wieder Dienstag. Eigentlich hätte ich schon weiter sein wollen, sicher 2 Tage aus der Stadt raus, aber ist ja nicht weiter schlimm. Nun tat sich aber die Möglichkeit auf schnell nochmals einen Tag zurück nach Chengdu zu fahren, denn am Mittwochabend war Tanznacht. So schnappte ich mir einen Zug am Mittwoch morgen und fuhr die 150 Kilometer zurück. Auch hatte ich noch eine Rechnung mit Lesley offen, denn wir mussten noch herausfinden, wer denn der beste Pingpongspieler der Welt sein würde.

Ich darf nun hier verkünden, dass ich in einem sagenumwogenden Spiel 3:2 gewonnen habe. Nur wenige Punkte trennten uns in der letzten entscheidenten Runde.

Auch traf ich eine nette Dame am Tanzabend wieder. Wir hatten uns schon letztes Mal gesehen und Freude aneinander gehabt. Nach Ende des Abend verliessen wir zusammen die Bar und standen nebeneinander auf dem Gehweg. Sie würde nun ein Taxi nehmen, ob ich denn mitwolle? Ich schaute Lesley an und sagte nein, ich würde mit ihr ein Sharebike nehmen. In meinem Kopf machte es ja auch keinen Sinn, jetzt ein Taxi zu nehmen, denn wo auch immer sie hinfuhr, musste ich ja dann immer noch ein Rad nehmen. Sie wiederholte die Frage. Ich lehnte erneut ab, mit der selben Begründung. Wir verabschiedeten uns und sie lief davon, zufrieden mit mir und der Welt kuckte ich Lesley an, welche mich erzürnt anschaute: „Was ich denn für ein Depp sei!“ „Hä? Was habe ich denn falsch gemacht? Sie fährt nun irgendwo hin und von dort, hätte ich ja dann alleine nach Hause fahren müssen.“ Ob ich denn nicht begriffen hätte, das dies eine Einladung gewesen wäre…

Bitte erheben sie sich für eine Schweigeminute, in Gedenken an Michas Dummheit.

Dankeschön.

Nun ja, im nachhinein betrachtet, wohl nicht so schlimm. Denn jetzt noch etwas mit einer Dame anzufangen, wäre nicht gerade die beste Voraussetzung gewesen weiter zu fahren. So hat es mich nur ein paar Tage bisschen genervt. Auch wurde das Zeitfenster langsam knapp, noch rechtzeitig die 1800 Kilometer zur Laotischen Grenze zu schaffen, in den letzten 30 Tagen Visa welche ich noch zur Verfügung hatte. Und diese will ich eigentlich zum Grossteil Fahren, ich habe keine Lust nochmals einen Zug zu benutzen.

So kam ich am nächsten Nachmittag wieder in Leshan an, packte meine Sachen und machte mich auf die Stadt zu verlassen, um einige Kilometer ausserhalb die Nacht zu verbringen.

Meine Motivation war noch nicht wirklich bei mir angekommen. In meinem Kopf flackerten die wagen Gedanken einer schöne gemeinsame Zeit mit meiner Tanzchinesin. In der Realität fuhr ich gerade von ihr weg, mittenhinein in den Nebel der Sichuan Region. Dieser würde eine ganze Woche anhalten, gepaart mit Regen und Wolken. Dazu kam noch das es nun deutlich kälter geworden ist. Auch die nahen Aussichten auf 2800 Meter hoch zu müssen und sicherlich in den Schnee zu kommen, liesen mich nicht Freudensprünge machen.

Ich entschied mich für einige kleinere Strassen, anstelle der grossen Hauptwege. Dies bedeutete aber meistens mehr Höhenmeter und auch die Strasse selbst waren nicht mehr immer im besten Zustand. Teilweise bin ich in kilometerlange Baustellen hineingefahren, immer mit der Angst, dass ich irgendwann nicht mehr weiter kommen würde. Durch die vielen Lastwagen, welche Erde etc abtransportierten, waren die Strassen schlammig und auch mein Fahrrad würde nicht lange brauchen diesen Zustand anzunehmen. Aber wenigstens war der Verkehr sehr eingeschränkt, was wiederum angenehm war.

Es grenzt an Wahnsinn, wieviel die Chinesen bauen. Überall Brücken, überall Tunnels, welche am entstehen waren, für neue Autobahnen. Ich habe eine Lehre als Bauzeichner gemacht, wo natürlich auch das Thema Brückenbau enthalten ist. Da ich nun so viele Brücken in verschiedenen Stadien gesehen habe, weiss ich nun genau wie diese gebaut werden. Es war wie ein Praktikum zu haben. Mein Weg welcher ich genommen habe, war zwischen zwei grösseren Hauptstrassen. Trotzdem waren sie wie wild am Bauen, dutzend Brücken und Tunnels auf einer Strasse welche gefühlt auch in Tadjikistan oder Kirgistan hätte sein können. Keine Ahnung wieso dort gebaut wird. Irgendeinmal wir ganz China nur noch eine grosse Asphaltoberfläche sein und man kann ich jede Himmelsrichtung fahren, wie es einem gerade gefällt. Und die Leute werden unterhalb dieser Strassen leben.

Seit dem ersten Tag in China hat sich der Umgang mit den Leuten drastisch geändert, viel Starren und emotionslose Minen kann man hier sehen. Teilweise habe ich das Gefühl, die Leute springen jeden Moment von der nächsten Brücke um ihr Leben zu beenden. Immer diesen Blicken ausgesetzt gewesen zu sein, liess mich sehr schnell abstumpfen und alle Leute ignorieren. So das ich selbst diese ignoriert hatte, welche eigentlich nett sein wollten. Aber die Chance nur wieder irgendein emotionsloses Gesicht zu sehen, war einfach zu Hoch als das ich es riskieren wollte. Ein Wunder das sich die Leute nicht den Hals brechen, bei diesen 180 Grad Starraktionen.

Doch dann gelangte ich in das Valley of Joy. Eine Steigung von 100 Kilometer und von 300 auf über 2800 Meter. In diesem Tal kam Tadjikistan-Feeling auf, alle am Winken, Lachen und einfach nur Freude als ich gesehen wurde. Ich war regelrecht verwirrt über diesen Sinneswandel und dachte mir ich sei in einem anderen Land. Eventuell war der Süden Chinas anders? Und dies war nur der Anfang vieler netter Menschen. Doch kaum über den Pass und in den nächsten Dörfern war alles wieder beim alten. Die starrende Masse war zurück, fast hätte ich sie vermisst.

Das Valley of Joy hatte es aber in sich, denn mittlerweile ist es Dezember und auch in China wird es kälter. Durch den Tag stieg das Thermometer wohl nicht mehr gross über 0 Grad und in der Nacht sank es auf minus 5 bis 10. Dazu gesellte sich ab 2300 Meter der Schnee, welcher zuerst nur die Spitzen der Bäume befallte, bis schliesslich die ganze Strasse weiss war. Der Schnee war wohl schon einige Tage alt, denn er war sehr kompakt und glatt. So glatt, das mein Hinterrad keinen Gripp mehr hatte und es nur noch durchrutschte. 6 Kilometer und über 500 Höhenmeter gab es noch zu bewältigen. Ein Blick auf die Uhr lies nichts gutes verheissen, denn es war schon spätere Nachmittag. Und die Aussicht auf über 2500 Meter im Schnee zu schlafen, war nicht in meiner Absicht. Auch war ich schon die Nächte zuvor mein Limit zum schlafen am ausreizen. Teilweise hatte ich 3 Hosen an und 2 Pullover um mit meinem 0 Grad Komfortschlafsack noch genug warm zu haben. Wohl ist sind diese 0 Grad auch nicht mehr ganz aktuell, nach 9 monatigem Täglichen nutzen ist diese Zahl sicherlich um einige Grad gestiegen. Was auch immer, diese Nacht wollte ich nicht riskieren. Es fand sich aber schnell ein Auto, welches mich über den Pass fuhr. Und einige Kilometer hinunter, bis wir an eine Stelle gelangten, wo sich schon einige andere Fahrzeuge versammelt hatten. Verwirrt schaute ich mich um, wieso wir denn hier halten würden. Bis ich feststellte, das die Strasse zerstört war, einfach auseinander gebrochen, nur noch ein kleiner Fusspfad führte auf die andere Seite. Unter ständiger Beobachtung einiger Chinesen baute ich mein Rad wieder zusammen, denn ich musste beide Räder abmontieren um es in das Auto zu bekommen. Diese haben mir dann sogar geholfen, das Rad über diese heikle Passage zu bekommen. Danach ging es für 100 Kilometer wieder bergab.

Die erste zweier heiklen Hochpassagen in Richtung Kunming war nun geschaft. Die zweite würde mich nur noch auf 2500 Meter bringen, die Chance auf Schnee bedeckte Strassen war also bisschen geringer. Nur hatte ich mir dieses Mal noch einen kleineren Weg ausgesucht, zumindest auf der Karte, ich war mir nicht mal sicher ob dort überhaupt noch ein guter Weg sein würde, aber mithilfe von Googlesatelliten, konnte ich meine Angst beseitigen. Die erste Nacht verbrachte ich auf 2100 Meter und gegen Abend fing es an zu Schneien. Dies war gar nicht in meinem Sinne, Horrorszenarien von meterhohen Schneewänden, geisterten in meinem Kopf umher. Und das ich den Weg eventuell nicht fahren könnte und einen grossen Umweg machen müsste. Als die morgendliche Helle mich weckte und ich einen Blick nach Draussen wagte, sah ich weiss. Nicht schwarz, nur weiss. Das könnte ja heiter werden heute, dachte ich mir. Doch dann traf ich auf einen Freund, welcher schon fast vergessen war. Plötzlich wurde es mir warm. Denn die Sonne hat sich entschieden wieder einmal die Wolkendecke zu durchbrechen und ihre Wärme auf die Erde zu senden. Es verging keine Stunde und die Erde war wieder Grün. Positiv mache ich mich auf, die letzten 400 Höhenmeter zu bezwingen. Es hat länger gedauert als gedacht, die Hochebene Zog sich über mehr als 30 Kilometer hin her und hatte immer wieder neue Steigungen zu bieten und so erreichte ich erst in der Dämmerung den letzten Pass auf 2500 Meter. Diese Nacht verbachte ich im Schnee. War aber nicht so schlimm wie erwartet.

Die nächsten paar Tage würde ich auf 500 Meter verbringen, es wurde richtig Sommerlich war, sogar die kurzen Hosen mussten wieder ausgepackt werden. Nicht das ich mich beschweren würde, aber es hat mich nun mal überrascht. Die Strassen waren in diesem Abschnitt eine Katastrophe. Bis zum Pass waren es schöne Asphaltstrassen, doch sobald die Abfahrt erreicht wurde, änderte sich dies auf Kies und Erdwege. Froh darüber, nicht hier hochfahren zu müssen sauste ich sie hinunter.

Irgendwie habe ich es fertig gebracht am Nachmittag auf eine Art Gebirgsautobahn zu gelangen. Ohne irgendwelche Einkaufsmöglichkeiten und mit dutzenden Tunnels. Eventuell habe ich mich mit einem Security Typen gestritten, dass ich hier nur weiter fahren dürfte. Das sind aber nur Gerüchte. 😉 So wurde es schon dunkel und ich hatte nicht mehr genügend Wasser dabei um ein Abendessen zu kochen und noch ausreichend Wasser zu haben für den nächsten Morgen. So entschloss ich in die Nacht hinein zu fahren, denn das tolle an dieser Strasse war, dass sie auf der Ganzen Strecke beleuchtet war. Und die Tunnels waren angenehm warm, was es mir leicht machte noch weiter zu Fahren. Ich brauchte nicht einmal Licht, habe ich auch nicht wirklich. Zumindest nicht gutes, welches zum Radfahren in der Nacht geeignet wäre. So verstrich die Zeit und ich wurde hungrig. Denn eigentlich hatte ich noch nicht wirklich etwas anständiges gegessen. Ein paar snickersähnliche Riegel und eine Packung Chips. Die Suche am Mittag nach einem Restaurant blieb ergebnislos und so musste ich weiter ohne etwas richtiges zu Essen und sobald ich auf diese Autobahn gelangte, wusste ich das um mich geschehen war. Flucht nach vorne war das Moto. Mittlerweile war es 21:00 Uhr Nachts, normalerweise liege ich um diese Zeit im Zelt. Über eine riesige Brücke gelangte ich bis auf einen Kilometer an die rettende Hauptstrasse heran. Nur war ich mittlerweile auf einer Baustellenstrasse, welche von hunderten Lastwagen befahren wurde. Selbst zu dieser späten Stunde fuhren diese noch ohne Müdigkeit umher. Wer aber mittlerweile müde war, sass auf seinem Fahrrad und realisierte, dass der einzige Weg in die nächste Stadt, um etwas Essen und Wasser zu bekommen, über eine massive Wand von Steigung führte. Geschätzt sicher 400 Höhenmeter musste ich mich hochkämpfen, nach einem drittel ging mir das Wasser aus. Und einige Kurven später fing ich an trockene Haferflocken zu essen, um etwas in den Magen zu bekommen. Zeitweise fühlte es sich an wie betrunken zu sein, Augen zu und strampeln. Nach über zwei Stunden fuhr ich endlich in die Stadt hinein, der Weg hatte mich durch eine riesige Baustelle mit 24 Stunden Betrieb geführt. Neben Tunnels vorbei, unter massiven Brücken und selbst über die nicht vollendete Strasse musste ich fahren. In der Stadt angekommen, stürzte ich mich in die erste Tankstelle um meinen kläglichen Zuckerspiegel zu steigern. Der Tankstellenbesitzer war so von mir angetan, dass er mir ein grosses Fresspäckchen mit auf den Weg gab, welches er selbst bezahlte. Planlos durch die Stadt irrend fand ich wenige Minuten später ein Hotel, welches mir ein Zimmer anbot für 14 Dollar die Nacht. Dies kam mir recht, wieder einmal Duschen nach 8 Tagen würde eine gute Sache sein. Auch hatte ich nach diesem Tag keine Lust mehr noch einen Schlafplatz zu finden.

Am nächsten Tag gönnte ich mir etwas Ruhe.

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