Durchfall, Kotze und Höhenmeter

Chorugh (Tadschikistan) – Murghab (Tadschikistan)

Tag 153 – 162

Kilometer 8538 – 8996

Chorugh befindet sich auf 2000 Meter über Meer, aber um diese Jahreszeit ist es auch hier noch immer erstaunlich warm. Geühlt zu warm, denn seit Wochen sehnt sich mein Körper nach kühler Luft. Und keine durch die Hitze halb erschlagenen Mittagspausen, irgendwo unter einem Baum. Aber nun würde es in die Höhe gehen, auf dem Weg nach Langar die ersten 1000 Höhenmeter und schliesslich über einen 4300 Meter Pass nach Murghab. Aber alles schön der Reie nach.

Chorugh habe ich wieder alleine verlassen, was soviel heisst, dass ich mich nicht einer der viele Gruppen angeschlossen habe. Mittlerweile bin ich nicht mehr alleine. Ich kenne drei Gruppen vor mir und weiss auch wer hinter mir fährt. Da sind die vier Polnischen Fahrer, der Tscheche, die zwei Belgier, das Französische Pärchen und viele weitere welche ich nur vom sehen her kenne. Meistens wenn ich in einem Hostel ankomme, ziehe ich mich eher zurück, denn es bilden sich immer grosse Radfahrergruppen, wo ich mich dann meistens ein bisschen übervordert fühle mich anzuschliessen. Ich bevorzuge es zu zweit zusammen zu sitzen und nicht mit 10 Leuten die Geschichten auszutauschen. Auch wenn ich nun alleine fahre treffe ich fast jeden Tag irgendwelche Fahrer.

Nicht alleine!

Ab 2400 Meter wurden die Nächte kühler, seit langem musste ich mal wieder meine Regenjacke hervornehmen da es mir nach Sonnenuntergang zu kühl wurde. Auch hat mein Schlafsack wieder einen sinngemäsen Einsatz zu erbringen. Es schläft sich einfach viel besser in der Kühle, als wenn man schwitzen in Unterhosen im Zelt liegt. Meine schlaflosen Nächte sind zum Glück auch wieder vorbei. Da bin auch wirklich froh darüber, denn die Tage sind schon genug anstrengend, da sollte doch wenigstens die Nächte entspannend sein.

Da das die Strecke zwischen Afghanistan und Tadjikistan verläuft, gibt es an einem bestimmten Punkt manchmal die Möglichkeit in das Grenzgebiet zu gehen um einen länderübergreifender Markt zu besuchen. Dieser befindet sich auf einer Insel im Niemandsland. Das Glück war auf meiner Seite und ich war genau zum richtigen Zeitpunkt dort durchgefahren. Leider war der Markt nicht wie anfangs gedacht auf Afgahnischem Boden, sondern wohl immer noch mehr Tadjikistan. Und da auch meine zwei späteren Flussquerversuche gescheitert sind, habe ich Afghanistan nicht betreten können. Naja vieleicht ein anders Mal.

Ich weiss nicht wie es sich als Leser anfühlt, aber ich habe das Gefühl, dass meine Beiträge eher vom Negativen geprägt sind. Ich schreibe viel darüber was mich beschäftig und welche Herausvorderungen mich durch den Tag begleiten. Hitze, Schlaflose Nächte, schlechte Strassen, Verkehr etc. Vieleicht kommt da manchmal das Positive etwas zu kurz. Zum Beispiel das seit Monaten gute Wetter. Seit Erzerum in der Türkei hat es nicht mehr geregnet bis auf wenige kleine Ausnahmen. Oder die doch mittlerweile echt beeindruckende Landschaft. Aber manchmal bemerke ich erst auf meinen Fotos wo ich eigentlich gerade durchgefahren bin, denn durch den Tag bin ich mit sovielen Herrausforderungen komfrotiert, dass ich die Landschaften um mich herum gar nicht zu ihere Gänze geniessen kann. Dazu später mehr.

Lass mich über das schöne Thema Verdaung und co. berichten. Seit Uzbekistan habe ich meistens eher durchfallähnliche Auscheidungen, welche manchmal schlimmer oder besser sind. Grundsätzlich kann ich aber sagen das mein Körper nicht glücklich ist mit dem Umständen. Ich habe schon einige Medikamente probiert, welche bis jetzt keine nachhaltige Linderung erbracht haben. Aufgrund der Situation habe ich angefangen, dass meiste Wasser zu filtern, um ein Riskofaktor ein bisschen zu verringern. Aber dies muss nicht heissen das es nun besser sein wird, denn da ist immer noch das Essen und selbst Wasserfiltern gibt dir nicht eine 100% Sicherheit. Es ist sicher besser, denn aus braunem Wasser wird klares, aber Viren können immernoch darin enthalten sein.

Nun dachte sich mein Körper eines schönen Abends wieder einmal wie in Uzbekistan zuvor, einen Komplettreinigung durchzuführen. Zwischen 21:00 bis 03:00 Uhr habe ich mich ausgekotzt und geschiessen was das Zeugt hält. Dies ist besonders Mühsam, da man in einem Zelt, wenn möglich zwei Minuten im vorraus erahnen sollte, dass es nun gleich anfängt. Denn wenn es kommt und du noch im Schlafsack liegst, ist es zu spät. Um die 12 Mal bin ich also aus meinem Schlafsack gekrochen um der Komplettreinigung ihren Lauf zu lassen. Bis ich dann irgendeinmal trotzdem noch einschlafen durfte. Nicht wie das letzte mal fühlte ich mich zwar am Morgen platt, aber der provokant getrunkene Liter kaltes Wasser entwich nicht meinem Magen. So entschloss ich mein Morgenessen zu kochen und weiter zufahren um herausfinden was der Tag bringen würde. Wie ein geprügelter Hund quälte ich mich über die Strassen. Zumindest ein kleines Hotel 20 Kilometer entfernt wollte ich erreichen, um mich dort auszuruhen.

Es kam aber anders, denn als ich gerade Pause am Strassenrand machte traf ich auf den Tschechen, welcher mir von einer heissen Quelle in den Hügel erzählte. Einziger Hacken waren die 500 Höhenmeter welche in 8 Kilometer bewältigt werden mussten. Natürlich auf kiesigen Strassen wie es sich für diese Region gehört. Ich überraschte mich selbst damit, dass ich diesen Anstieg meisterte, denn die Komplettreinigung war noch nicht lange her. Ich lehnte sogar eine Mitfahrgelegenheit ab.

Die Anstregung hat sich aber gelohnt, es erwartete uns eine natürliche heisse Quelle, in welcher das Wasser von den Felswänden in ein künstliches Becken floss. Richtig heiss, länger als 15 Minuten hält man es nicht darin aus. Zusammen namen wir uns ein Zimmer im nahe gelegenen Hotel, denn gute Wildcampingplätze gab es hier nicht wirklich. Ich lerne noch eine Frau kennen welche in China in Chengdu studiert, diese Stadt liegt auf meinem Weg Richtung Laos, vieleicht sehen wir uns wieder.

Wenn man das Pamirgebirge mit dem Fahrrad berreist, sagen dir alle du sollst das Whakan Tal befahren, es sei die schönste Option aber auch die härteste. Die ersten ca. 200 Kilometer sind noch in einem guten Zustand, meistens Asphaltiert mit einigen wenigen Ausnahmen. Aber dann Fängt es an. Über eine Strecke von um die 210 Kilometer gibt es drei Strassenzustände welche du antreffen kannst.

– Sand! Es fühlt sich an als ob du darin versinken würdest. Ich sehe den Sand kommen und jedes Mal hoffe ich, dass es doch diesmal eventuell mit dem Schwung reichen würde über eben diesen hinwegzugleiten. Nein! Es reicht nie! Niemals! Du bleibst wie in frischen Beton stecken. Einzige Lösung, schieben. Teilweise sind diese sandigen Strecken bis zu einem Kilometer lang und es stellt sich jedes Mal die Frage ob es vieleicht jetzt wieder klappen könnte mit Fahren, nur um einige Meter später vom Gegenteil überzeugt zu werden.

– Grosses Kies! Geht in die gleiche Richtung wie Sand. Hier fühlt es sich an als würde dein Hinterrad spontan zu Gummi werden und einfach wegsacken. Ist aber manchmal fahrbar, man muss sich einfach auf Hinterraddurchdreher gefasst machen, da es keinen Gripp mehr zwischen Gummi und Strasse gibt. Kombiniert man diese Strassenverhältnise mit einer kleiner Steigung, ist schieben angesagt. Denn eine Hinterradparty ist nichts lustiges. (Party wegen durchdrehen, UUUUUUIIIIIIIII)

– Feste Strassen Aber! Wenn die beiden oberen Fälle nicht eintreten gibt es die festen Strassen, welche aber die Angewohnheit haben, kleine Wellen zu haben. Welche sich alle 20cm wiederholen. Wenn du von einer kleiner Abfahrt in ein solches Wellental fährst, prügelt es dir fast das Hirn raus. Danach muss zuerst mal kontrolliert werden, ob alle Halterungen der Taschen noch am richtigen Ort sind, denn manchmal werden diese durch den brutalen Weg herausgeschlagen. Tak, Tak, Tak, Tak, Tak! Meistens gibt es auf der linken Seite der Strasse 20cm Platz ohne diese Wellen, aber auch nicht immer. Dann kann es schon mal vorkommen, dass ich auf einer geraden Strecke im ersten Gang fahren muss, denn schneller geht es einfach nicht. Wenn es möglich ist fahre ich lieber neben den Strassen auf kleinen Trampelpfaden der Tiere.

Mehr als 40 Kilometer pro Tag liegt meistens nicht drin, auch weil ja noch zu den Strassenverhältnissen die ca. 2000 Höhenmeter zu bewältigen sind. Auch liegt die meiste Aufmerksamkeit darauf, nicht zu fallen oder mein Material unnötig zu belasten und so kann ich kaum die Landschaft um mich herum geniessen. Auch ist es extrem frustierend auf solchen Strassen unterwegs zu sein. Nein, das sind eigentlich keine Strassen. Man stelle sich diese Verhälnisse an einem Radweg an der Aare in Bern vor. Es gäbe Reklamationen, was den dies für eine Scheisse sei. Und so stelle ich erst im Nachhinein fest, wenn ich meine Fotos anschaue, wie gewaltig die Natur eigentlich hier ist.

Ich würde das Whakan Tal sicherlich nicht ein zweites Mal befahren, diese fünf Tage Quälerei, kann mir getrost erspart bleiben. Ob es sich lohnt es zu fahren? Ich weiss es nicht, ich habe keine Vergleiche zu den anderen Strassen. Für die Erfahrung ist es sicherlich eine Reise Wert. Denn es ist so eine schlechte Erfahrung, dass es schon fast wieder gut ist.

Auch eine spannende Erfahrung ist, dass es für 120 Kilometer also ca. 3 Tage einfach mal kein Essen mehr zu Kaufen gibt und 40 Kilometer davon sogar kein Wasser mehr zu finden ist. Da sollte schon mal ein bisschen vorrausgeplant werden.

Nun ist mir hier auch der erste Sturz gelungen. Zwar ist mir das Fahrrad schon einige Male im stehen umgekipt, aber während dem Fahren bis jetzt nur einmal. Es ging eine steile Passage herunter auf einer kiesigen Strasse, als plötzlich das Vorderrad blockierte und das ganze Fahrrad unter mir wegrutschte. So stand ich ohne Fahrrad auf der Strasse, dumm nur das ich immernoch die 20 Stundenkilometer Geschwindigekeit auf mir hatte, welche zuerst mal gebremst werden mussten. So befand ich mich wenige Augenblicke einige Meter im Abhang neben der Strasse wieder. Zum Glück konnte ich das Gleichgewicht halten. Hätte wohl ziemlich dumm Ausgehen können wenn ich da Kopfvorran geden die Steine geprallt wäre, oder wenn der Abhang steiler gewesen wäre. Glück im Unglück.

Der Schreck Whakan Tal ist dann aber ziemlich aprupt auch vorbei, nach dem es sich mit 10 Kilometer bester Holperfahrt verabschiedet trifft man wieder auf die M41, Pamir Highway. Asphalt, ohne Löcher einfach herrlich. Nach über 650 Kilometer und 12 Tage wiedermal Asphalt zu befahren ist toll. Sein Blick über die Berge schweifen zu lassen, ohne Angst haben zu müssen, das nächste Loch zu übersehen. Mehr als 15 Stundenkilometer zu fahren!

Übringes hatte ich keinen Technischen Defekt, was schon fast an ein kleines Wunder grenzt. Bestes Rad! 🙂Die Landschaften werden nun weiter und die Strassen gerader. Gefällt mir persönlich besser auf dieser Hochebene unterwegs zu sein. Als noch im engel Tal.

Ein Kommentar zu „Durchfall, Kotze und Höhenmeter

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  1. Your travel story’s and pictures are very nice to read. It gives a idee who real live is from a globetrotter with al the +and – things who crossed your worldtrip. 👍👍👍👍

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